Zeitungsbericht
Investoren fordern Aufspaltung von Tui

Erst vor wenigen Monaten hatte Tui-Chef Michael Frenzel die Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd mit dem Kauf der Containerreederei CP Ships gestärkt. Er hatte die Logistik zum zweiten Standbein neben dem Tourismus ausgerufen. Mehreren Großinvestoren gefällt diese Vorstellung laut eines Zeitungsberichts gar nicht. Sie fordern demnach ultimativ die Aufspaltung des Konzerns – und noch mehr.

HB BERLIN. Das Management müsse einen Zeitplan bekannt geben für die Aufspaltung in Tourismus und Schifffahrt in 6 bis 18 Monaten, berichtet die „Financial Times Deutschland“ in ihrer Montagsausgabe. Die Zeitung berief sich dabei auf ein rund 50 Seiten umfassendes Thesenpapier, dass an Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat der Tui geschickt worden sei. Zudem sei auf Drängen der Investoren der Strategievorschlag bereits mit dem Tui-Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow diskutiert worden.

Der Brandbrief erhöhe massiv den Handlungsdruck auf Frenzel bis zur Hauptversammlung im Mai 2007, berichtet die Zeitung. Nach Angaben mehrerer Großinvestoren sei es wahrscheinlich, dass ein bedeutsamer Teil der Aktionäre dort gemeinsam die Abberufung Frenzels vorantreiben werde, falls er nicht in ihrem Sinne handele.

Autor des Thesenpapiers sei der britische Vermögensverwalter Hermes. Den Angaben zufolge ist Hermes seit über 14 Jahren Tui-Aktionär, hält aber weniger als 5 Prozent der Aktien. Hermes habe sich dem Vernehmen nach bei seinem Vorstoß unter anderem die Unterstützung der Deutsche-Bank-Tochter DWS gesichert, berichtete die Zeitung. Weder Hermes noch Tui hätten die Informationen kommentieren wollen.

Gegenüber der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX äußerte sich dafür die DWS. Sie hält eine Aufspaltung des Tui-Konzerns für sinnvoll. „Wir haben zu Tui schon lange eine entsprechende Haltung“, sagte ein Sprecher. Zu der angeblichen Zusammenarbeit mit Hermes wollte er aber keine näheren Angaben machen. Auf der Tui-Hauptversammlung im Mai hatte DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen über den Reise- und Schifffahrtskonzern laut Redemanuskript gesagt: „Wir schlagen vor, das Unternehmen zu teilen und Ihre Aktionäre jeweils direkt mit Aktien an der Tui sowie an Hapag-Lloyd zu beteiligen. Die Unternehmensteile würden vom Kapitalmarkt erheblich höher bewertet werden.

Noch mehr Kritiker

Über einen ähnlich gelagerten Vorstoß zur Aufspaltung hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Wochenende berichtet. Tui-Aktionäre, deren Interessen von einem britischen Fonds vertreten würden, hätten sich schriftlich und persönlich an das Management und den Aufsichtsrat gewandt, hatte Reuters im Tui-Umfeld erfahren. Um den Börsenwert zu steigern, hätten sie eine Aufteilung des Konzerns vorgeschlagen. Außerdem sei Frenzels Ablösung gefordert worden.

Im Tui-Umfeld hatte es zudem geheißen, der Konzern bemühe sich seit Wochen um Investoren, die den Kurs des Vorstandes stützen und eine feindliche Übernahme erschweren sollten. Dabei spreche Tui auch mit der Stadt Hamburg. Damit solle eine Zerschlagung verhindert werden. Es habe Gespräche mit den Landesregierungen von Hamburg und Niedersachsen sowie mit weiteren potenziellen Investoren gegeben. Sprecher des Hamburger Senats und der Finanzbehörde hatten dazu erklärt, ihnen sei nichts von solchen Gesprächen bekannt. Tui hatte einen Kommentar abgelehnt.

Das Magazin „Focus“ hatte berichtet, Frenzel habe den Hamburger Senat gebeten, sich mit bis zu 10 Prozent an dem Konzern zu beteiligen. Hamburg ist Sitz der Tui-Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd.

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