Zerschlagung oder Komplettverkauf
Thomas Cook am Scheideweg

Europas zweitgrößter Tourismuskonzern Thomas Cook steht am Scheideweg. Die Verhandlungen der beiden Eigentümer Lufthansa und Karstadt-Quelle über die Zukunft des Konzerns, der mit seinen Marken wie Neckermann oder Condor zuletzt rund 13 Mill. Gäste im Jahr zählte, laufen auf Hochtouren. Angeblich gibt es bereits eine Verabredung.

dpa-afx FRANKFURT. Zwei Varianten gelten als wahrscheinlich: Die Komplettübernahme durch Karstadt-Quelle oder eine Zerschlagung in die Sparten Flugbetrieb und Reiseveranstalter. Dabei würde die Lufthansa Fluglinien wie Condor und Karstadt-Quelle die Reiseveranstalter wie Neckermann übernehmen. Ein Börsengang gilt in der Branche dagegen als immer unwahrscheinlicher.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll Karstadt-Chef Thomas Middelhoff inzwischen bereit sein, den Konzern komplett zu übernehmen und dafür die Lufthansa mit 800 Mill. Euro auszuzahlen. Bereits seit längerem wird in der Fachpresse geschätzt, dass Thomas Cook insgesamt rund 1,6 Mrd. Euro wert sein dürfte - doch die genaue Summe ist einer der entscheidenden Streitpunkte in den Verhandlungen.

Unklar ist aber auch das Konzept. Der Karstadt-Konzern würde bei der Übernahme mit seinem Neckermann-Versand und einer ebenfalls stark auf das Internet setzenden Reisesparte zu einem der größten Internet- Händler. Inwieweit Fluggesellschaften in einen solchen Konzern passen, gilt aber als extrem unsicher. Zusätzliches Problem: Thomas Cook ist nicht nur Eigentümer der Condor, zum Konzern gehören auch die Flugtöchter Thomas Cook Airlines in Großbritannien und Belgien sowie eine Beteiligung an dem türkischen Ferienflieger Sunexpress. Diese Gesellschaften kommen zusammen immerhin auf eine ungefähr gleiche Flottengröße wie Condor mit knapp 40 Fliegern.

Zudem gelten relativ kleine Fluggesellschaften wie Condor & Co. als nicht allein überlebensfähig - schließlich wurde zuletzt dba von Airberlin geschluckt oder die Swiss von der Lufthansa. "Um Condor zu einer kritischen Größe zu verhelfen, könnten später die LTU oder die bald fusionierten Tui -Ableger HLX und Hapagfly andocken", spekuliert der "Spiegel" bereits. Schließlich hat LTU-Chef Jürgen Marbach schon mehrfach Condor als Wunschpartner bezeichnet - doch das allein hat der noch immer defizitären LTU bislang wenig genutzt.

Statt unter dem Karstadt-Dach könnten die Fluggesellschaften sich aber auch unter den Fittichen des Lufthansa-Kranichs wiederfinden. So hält es das Fachmagazin "Touristik Report" für möglich, dass die größte deutsche Airline eine von Condor-Chef Ralf Teckentrup geführte Low-Cost-Plattform gründet, zu der dann neben der Condor auch der Billigflieger Germanwings zählen würde - und womöglich selbst eine LTU Platz finden könnte.

Mit einer Aufspaltung würde der Thomas-Cook-Konzern wieder in seine ursprünglichen Bestandteile zerlegt, denn erst 1998 hatten Lufthansa und Karstadt den Konzern mit der Zusammenführung der Condor und der NUR Touristic (Neckermann und Reisen) geschaffen. Danach gab es kräftige Zukäufe, im Zuge der Übernahme des britischen Reisekonzerns Thomas Cook 2001 wurde der gesamte Konzern in Thomas Cook umbenannt. Doch der integrierte Anbieter geriet in Schieflage und kam erst jetzt wieder aus den roten Zahlen. Dem Thomas-Cook- Leitmotiv vom "Urlaub aus einer Hand" stellte dessen Chef Thomas Holtrop inzwischen den "schrittweise Abschied vom Ideal des integrierten Tourismus-Konzerns" gegenüber.

Wie auch immer das Pokerspiel ausgeht: Der Kampf der Fluggesellschaften und Bündnisse wird weiter Druck auf die Flugpreise machen, während Veranstalter und Reisebüros vom Online-Vertrieb bedrängt werden. Für die Verbraucher bedeutet das zunächst einmal preiswerte Urlaube - und für die Konzerne noch viel Arbeit.

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