Zerschlagung von Air Berlin Eurowings entfristet Arbeitsverträge ihrer Flugbegleiter

Lufthansa hat es auf Teile der insolventen Fluglinie Air Berlin abgesehen. Auch Billigableger Eurowings bereitet sich auf die Übernahme von Fliegern vor. Alle Arbeitsverträge des Kabinen-Stammpersonals wurden entfristet.
Update: 28.08.2017 - 15:28 Uhr Kommentieren
Zwei Eurowings-Stewardessen: Die Lufthansa-Tochter hat sämtliche Verträge ihres Kabinen-Stammpersonals bei den deutschen Teilgesellschaften Eurowings und Germanwings entfristet. Quelle: dpa
Eurowings

Zwei Eurowings-Stewardessen: Die Lufthansa-Tochter hat sämtliche Verträge ihres Kabinen-Stammpersonals bei den deutschen Teilgesellschaften Eurowings und Germanwings entfristet.

(Foto: dpa)

Frankfurt/KölnDie Fluggesellschaft Eurowings macht sich bereit für die Übernahme von Flugzeugen der insolventen Air Berlin. Am Montag gab die Lufthansa-Tochter bekannt, sämtliche Verträge ihres Kabinen-Stammpersonals bei den deutschen Teilgesellschaften Eurowings und Germanwings zu entfristen. Rund 260 von 1500 Flugbegleitern hatten zuvor noch befristete Arbeitsverträge.

Hintergrund auch für rund 100 zusätzliche Einstellungen ist eine Vereinbarung bei Germanwings, der für den kommenden Sommer den Einsatz von mindestens 38 Flugzeugen bei dieser Teilgesellschaft garantiert, erläuterte ein Sprecher.

Eurowings hatte bereits in der vergangenen Woche Hunderte unbefristete Pilotenjobs ausgeschrieben und zudem nach Berufsanfängern für die Kabine gesucht. Inzwischen sind auch Stellenanzeigen erschienen, mit denen an allen deutschen Standorten um erfahrenes Kabinen-Personal geworben wird.

Wer im Airline-Poker mit am Tisch sitzt
Folgenreicher Insolvenzantrag
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Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Neben zahlreichen Interessenten sind auch weitere Akteure in die Verhandlungen verwickelt: Nicht nur Experten des Insolvenzrechts, auch die Bundesregierung wirkt zumindest indirekt mit. Derweil konkretisieren die Interessenten ihre Wünsche.

Neu im Rennen
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Der frühere Formel 1 Champion Niki Lauda interessiert sich nun auch offenbar für Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer will knapp 40 Maschinen der insolventen Airline und ihrer Tochter Niki übernehmen. Dafür will er zusammenarbeiten mit ...

Thomas Cook und Condor
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... dem Reiseveranstalter Thomas Cook und der Tochter Condor. Geht der Plan auf, erhält Niki Lauda 51 Prozent des Konsortiums. Er will dann ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste soll dabei Thomas Cook sorgen.

Aktionär zieht sich zurück – mit weitreichenden Folgen
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Seit 2012 ist Großaktionär der Staatskonzern aus Abu Dhabi mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Dennoch widerspricht Etihad dem Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben: Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden dürfte wohl ohnehin am großen Partner hängenblieben.

Lufthansa dominiert die Verhandlungen
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In der nun eröffneten Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorn dabei. Die Verhandlungen mit dem deutschen Marktführer, der die Übernahme schon seit Monaten vorantreibt, sollen am Freitag beginnen. Schon im Januar war dem umsatzstärksten europäischen Luftverkehrskonzern ein Teilerfolg gelungen: Damals wurden die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.

Carsten Spohr
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Mindestens ein weiteres Viertel will der Lufthansa-Chef nun für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern. Diese sucht ohnehin zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke. In Wirklichkeit verfolgt Spohr aber ein übergeordnetes Ziel: Den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit wie möglich fernzuhalten. Um den Wettbewerb hochzuhalten, nimmt er dafür sogar größere Marktanteile anderer Anbieter in Kauf.

Die Konkurrenz
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Daher steht die Lufthansa ihren Konkurrenten auch nicht im Weg. Gespräche mit Easyjet und Tuifly sind nach Angaben von Air Berlin ebenfalls geplant. Auch der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor interessiere sich an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Thomas-Cook-Feriengäste kommen ohnehin schon zu großen Teilen mit Air Berlin an ihr Ferienziel.

In einer ersten Phase sollten rund 200 Piloten und 400 Flugbegleiter zusätzlich neu eingestellt werden. Diese Personalstärke reicht für etwa 20 zusätzliche Flugzeuge, über deren Herkunft Eurowings bislang aber keine Auskunft gibt. Insidern zufolge dürfte es sich um die 33 angemieteten Air-Berlin-Jets handeln, die bereits seit diesem Jahr für Eurowings unterwegs sind. Sie werden bislang von Crews der Air Berlin geflogen, die sich im Fall einer Übertragung auf neue Stellen bewerben müssten. Bei Piloten wie Flugbegleitern werde die Berufserfahrung berücksichtigt.

  • dpa
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