Ziele im Fernverkehr verfehlt
Bahn befürchtet hohe Entschädigungskosten

Seit Freitag muss die Bahn im Fernverkehr einheitlich Entschädigungen bei Verspätungen zahlen. Das Unternehmen fürchtet einem Bericht zufolge Millionen von Kundenansprüchen.

HB BERLIN. Die Deutsche Bahn rechnet für die kommenden Jahre mit erheblichen Kosten durch Entschädigungen, die sie den Fahrgästen aufgrund der neuen Kundencharta für Verspätungen zahlen muss. Wie der Berliner «Tagesspiegel» am Samstagabend vorab aus der Sonntagsausgabe berichtete, wurde für die Jahre 2004 bis 2009 ein Mindestrisiko von insgesamt 600 Millionen Euro einkalkuliert. Das habe die Zeitung aus Unternehmenskreisen erfahren, hieß es.

Bei einer schlechten Pünktlichkeitsquote könne die Belastung noch wachsen. Nach der neuen Kundencharta gewährt die Bahn ihren Passagieren seit 1. Oktober im Fernverkehr bei Verspätungen – höhere Gewalt ausgeschlossen – einheitliche Entschädigungen: Trifft ein Zug mehr als eine Stunde später ein als geplant, erhält der Kunde einen Gutschein über 20 Prozent des Fahrpreises. Bislang hingen Entschädigungen von der Kulanz der Mitarbeiter ab.

Wie der «Tagesspiegel» unter Berufung auf Unterlagen der Bahn weiter berichtete, blieb die Fernverkehrssparte – trotz einer groß angelegten Sonderpreisaktion – auch im August hinter den meisten Zielen zurück. Demnach fuhren immer noch weniger Menschen in den ICEs und ICs als von der Bahn geplant: statt 10,4 nur 10,1 Millionen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres habe der Fernverkehr mit 76,4 Millionen Menschen im Vergleich zum sehr schwachen Vorjahr keine zusätzlichen Kunden gewinnen können.

Die Pläne seien damit um 7,1 Prozent verfehlt worden, so das Blatt. Der Außenumsatz sei zugleich gegenüber dem Vorjahr bis August nur um 0,4 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gewachsen, obwohl im April die Ticketpreise im Fernverkehr im Schnitt um 3,4 Prozent angehoben wurden.

Um Sparpläne voranzutreiben, sei laut Unternehmenskreisen bei den Zugbegleitern und Gastronomie-Mitarbeitern jeweils die Streichung von Jobs im dreistelligen Bereich geplant, berichtete der «Tagesspiegel» weiter. Außerdem bereite die Bahn weiterhin starke Einschnitte bei den Reisezentren vor. Ende 2003 gab es bundesweit noch 592 der bahneigenen Ticketverkaufsstellen, Ende 2005 sollen es laut «Tagesspiegel» nur noch 442 sein.

Dabei sei offen, wie viele der Zentren geschlossen und wie viele an die bisherigen Mitarbeiter verpachtet werden. Ende 2005 sollen in jedem Fall nur noch 3038 Reiseberater auf den Lohnlisten der Bahn stehen, wie die Zeitung schreibt. Ende vergangenen Jahres waren es noch knapp 4000.

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