Zigarettenindustrie
Das Röcheln der Tabakkonzerne

Europa und die USA haben den Zigarettenfirmen den Kampf angesagt. Ihre Gewinne und Umsätze schwinden dahin. Jetzt setzen die Tabakkonzerne auf Asien – und auf einen dampfenden Hoffnungsträger.
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BerlinWer seine Freizeit nicht regelmäßig auf einem Pferderücken im Dreieck zwischen den US-Bundesstaaten Texas, Colorado und Arizona verbringt, wird den Namen Eric Lawson zwar nicht unbedingt gehört, sein Gesicht aber schon gesehen haben. Lawson war der letzte Schauspieler, der den Marlboro Cowboy verkörperte. Drei Packungen Zigaretten brauchte Lawson in seinen besten Jahren, um durch den Tag zu kommen. Und es waren letztendlich auch die Glimmstängel, die ihn vom Pferderücken ins Grab beförderten: Lawson starb Anfang des Jahres an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, einer Raucherlunge.

Keine gute Werbung für den Marlboro-Hersteller Philip Morris. Doch der hat ohnehin andere Sorgen, wie die am Donnerstag vorgelegten Zahlen zeigen. Der Umsatz ging zurück, meldet das Unternehmen, 2013 wurden fünf Prozent weniger Zigaretten verkauft als noch im Jahr zuvor. Das Betriebsergebnis fiel um 2,5 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar.

Keine guten Zahlen. Dabei hat Philip Morris mit seinem Marlboro Cowboy eine der erfolgreichsten Werbegeschichten weltweit geschrieben. Der harte Kerl mit Kippe im Mundwinkel ist in den USA zwar nicht nur Werbeträger, sondern zu einem nationale Mythos geworden, genau wie es das, naja, HB-Männchen für uns Deutsche ist. Oder man sollte besser sagen: war. Denn den letzten Fernsehauftritt hatte ein Marlboro Cowboy in den frühen 80er-Jahren. Seither hat der US-Kongress den Zigarettencowboy von den Werbebannern und TV-Bildschirmen der Nation verbannt. Der amerikanische Traum wird mittlerweile nur noch in einer rauchfreien Variante geträumt. Sehr zum Leidwesen von Tabakkonzerne wie Marlboro-Hersteller Philip Morris, Reynolds American („Camel“) oder British American Tobacco („Lucky Strike“).

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von 2000 bis 2011 ging der Tabakkonsum in den USA um 27,5 Prozent zurück. Der Zigarettenabsatz fiel in diesem Zeitraum von 450 Milliarden auf 326 Milliarden, meldete die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Erst am Donnerstag meldete CVS, die zweitgrößte Drogeriekette der USA, dass das Unternehmen keine Zigaretten mehr verkaufen will – obwohl es laut eigenen Angaben damit auf zwei Milliarden Dollar Umsatz im Jahr verzichtet.

Zigarettenrauch in der Öffentlichkeit ist in den USA mittlerweile so beliebt wie ein Pups im Fahrstuhl. Wer sich mit einer Zigarette auf den Straßen von New York oder Los Angeles erwischen lässt, muss mit angeekelten Blicken rechnen. Ähnliches Bild auch auf der anderen Seite des Atlantiks: Deutsche Raucher können zwar noch auf etwas mehr Milde ihrer nichtrauchenden Mitmenschen hoffen, aber auch hierzulande sinkt die Toleranzschwelle zusehends. Laut Statistischem Bundesamt ging der durchschnittliche Konsum von Zigaretten seit 1991 bis 2013 um rund 55 Prozent zurück: Noch 220 Millionen Zigaretten pafften die Deutschen im letzten Jahr täglich. Einer der Gründe: Den Konzernen wird es immer schwerer gemacht, um Nachwuchskunden zu buhlen.

Kommentare zu " Zigarettenindustrie: Das Röcheln der Tabakkonzerne"

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  • Man könnte hier den Eindruck gewinnen, dass die Tabakkonzerne hinter der e-Zigarette stehen, um ihre Umsätze zu retten und die abhängige Kundschaft zu halten.
    Aber das Gegenteil ist der Fall. Die e-Zigarette hat sich völlig unabhängig von den Tabakkonzernen einen Markt erobert. Dahinter stehen kleine innmovative Unternehmen aus aller Welt, und eine wachsende Fangemeinde aus meist ehemaligen Rauchern, die froh sind eine gesündere Alternative gefunden zu haben. Allen Warnungen zum trotz, denn die Inhaltsstoffe der e-Liquids sind allesamt erlaubte Lebensmittelzusätze, die teilweise sogar in Bio Lebensmitteln vorkommen und auch im Tabak als Feuchthaltemittel verwendet werden.
    Da kein Tabak mit seinen mehrere hundert bekannten krebserregenden Substanzen enthalten ist, und keine Verbrennung stattfindet, ist man sich relativ sicher, dass es deutlich gesünder ist als Tabakrauch. Es gibt sogar eine Initiative von Ärzten, die für e-Zigaretten als Tabakersatz plädieren.
    Die Tabakindiustrie hat das lange ignoriert, dann bekämpft, und inzwischen hecheln sie dem Trend hinterher. Bis jetzt aber mit wenig überzeugenden Produkten, die zudem meistens auf Kundenbindung durch Einwegkartuschen setzen.

  • Eric Lawson wurde 72, immerhin, ein anderer Marlboro-Mann nur 51, wiederum ein weiterer, rauchender Reiter 81. Helmut Schmidt, um im Lande zu bleiben, raucht und qualmt seit Kriegszeiten und lebt mit 95 immer noch - und nun? Was soll uns das alles nur sagen?
    Es ist sicher richtig, dass man Kindern und Jugendlichen den Zugang zu legalen Drogen erschwert aber was soll diese elende Hetze gegen Raucher? Und was kommt, wenn die Raucher, politisch korrekt, ausgerottet wurden, was kommt dann dran, der Alkohol, die Schokolade, das fette aber leckere Essen beim netten Griechen nebenan?
    Merkwürdigerweise geht überall die Zahl der Raucher signifikant zurück, die Krebszahlrate jedoch, so war vor wenigen Tagen in der Presse zu vernehmen, steigt exorbitant an – wie kommt das denn und was soll man davon nun halten? Fragen über Fragen… Was aber wirklich zu bedenken gibt, ist, wie viele Menschen sich ohne zu zögern für fremde Zwecke vereinnahmen lassen und aufhetzen lassen, immer im Glauben für die „gute Sache“ natürlich. In etwa genauso, wie sich viele, ohne nachzudenken, vor den „EURO-Karren“ spannen lassen, nach dem Motto „scheitert der EURO, scheitert Europa“, als ob Europa aus dem EURO besteht… Schlimm!

  • " Plakatwerbung ist in der EU, abgesehen von Deutschland und Bulgarien, hingegen nicht mehr erlaubt. "
    Das ist ein Skandal, wir hätten da, wie so oft, mit erhobenem Zeigefinger Vorreiter sein müssen ! Liebe Frau Steffens, da haben Sie wohl eine gute Gelegenheit verpasst !

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