Zigarrenhersteller
Verschwiegene Paffer

Wenn es ein unauslöschliches Symbol des deutschen Wirtschaftswunders gibt, ist es ein Schwarz-Weiß-Foto, das den damaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) mit Zigarre zeigt. „Wir sind wieder wer“ sagt uns das Bild und: „Wir können es uns auch wieder leisten.“

BÜNDE. Von diesem Image profitierte nicht zuletzt die deutsche Zigarrenindustrie, die seinerzeit in voller Blüte stand. Im ostwestfälischen Bünde und den umgebenden Gemeinden produzierten zeitweise 245 Unternehmen mit rund 10 000 Mitarbeitern einen Großteil der über acht Milliarden Zigarren und Zigarillos, die in Deutschland geraucht wurden – heute sind es noch rund 1,1 Milliarden Stück.

Bereits unter der Ägide des Zigarrenliebhabers Erhard begann der Niedergang der deutschen Zigarrenindustrie: 1956 fiel das noch von den Nazis zwecks Sicherung der heimischen Arbeitsplätze erlassene Maschinenverbot. Außerdem entdeckten die Deutschen Möbel und Autos als Statussymbole. Ausgerechnet ein sozialdemokratischer Bundeskanzler, Gerhard Schröder, machte das Zigarrerauchen in Deutschland wieder salonfähig. Doch der Ruhm der von Schröder präferierte Marke „Cohiba“, einst Lieblingszigarre des kubanischen „Maximo Lider“ Fidel Castro, war schon ein wenig verblasst.

Die „Cohiba“ leistet inzwischen als hochpreisiges Luxusgeschöpf beim Weltmarktführer Altadis ihren Beitrag zu den rund 900 Mill. Euro, die der spanisch-französische Tabakgigant („Gauloises“) jährlich mit Zigarren und Zigarillos erlöst. Im Zeitalter der Globalisierung hat das Schweizer Familienunternehmen Burger Söhne, mit 540 Mill. Euro Jahresumsatz weltweit die Nummer zwei auf dem Zigarrenmarkt, längst den deutschen Marktführer Dannemann geschluckt. Doch über die Frage, wie es um die Zukunft der deutschen Zigarrenindustrie bestellt ist, die heute nur noch aus etwa zwei Dutzend Betrieben mit insgesamt einigen hundert Mitarbeitern besteht, gibt das Unternehmen wenig Informationen. „Es gibt bei uns grundsätzlich keine Person, die über Dannemann öffentlich Auskunft gibt“, sagt eine Sprecherin im ostwestfälischen Lübbecke, die eigentlich auch dies nicht sagen darf.

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