Zoff im Ferienparadies
Tui steht für „Tief unter Index“

Eigentlich verkauft der Reise- und Touristikkonzern erholsame Ferien und das Paradies auf Erden. Doch auf der Hauptversammlung des Konzerns ging es alles andere als erholsam zu. Der Name Tui stehe inzwischen für "Tränen unter Investoren" oder "Tief unter Index", spotten Fondsmanager.

HB HANNOVER. Der Vorstand des Reise- und Schifffahrtskonzerns Tui hat am Mittwoch auf der Hauptversammlung massive Kritik von Aktionsvertretern auf sich gezogen. Mehrere Fondsmanager warfen der Konzernführung schwache Ergebnisse vor und machten sie für den aus ihrer Sicht schlechten Aktienkurs des Unternehmens verantwortlich. Der Name TUI stehe mittlerweile für „Tränen unter Investoren“ oder „Tief unter Index“, sagte Fondsmanager Thomas Körfgen von SEB Asset Management und verwies darauf, das sich die Tui-Aktie seit Jahren weit schlechter als der Deutsche Aktienindex entwickele. Tui habe zwar durch zahlreiche Zukäufe den größten Reisekonzern der Welt geschaffen. „Doch was bringt uns Aktionären die erkaufte Marktführerschaft, wenn die Gewinne ausbleiben?“, sagte Körfgen.

Am Mittwoch legte die Tui-Aktie nach Kursgewinnen vom Vortag im Handelsverlauf um 1,5 Prozent auf 17,80 Euro zu. Fondsmanager Michael Gierse von Union Investment - mit gut vier Mill. Aktien einer der größeren Anteilseigner - kündigte an, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Er kritisierte den von Tui-Chef Michael Frenzel als entscheidenden strategischen Schritt herausgestellten Kauf der kanadischen Reederei CP Ships. Mit zwei Mrd. Euro sei der Erwerb nicht nur teuer, sondern angesichts der Überkapazitäten im Markt und der gesunkenen Frachtraten auch riskant. Es sei bisher nicht zu erkennen, wie die Ergebnisversprechen des Vorstandes in Touristik und Schifffahrt erreicht werden sollen.

DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen rügte, dass trotz der schwachen Geschäftsbilanz im vorigen Jahr die Vorstandsgehälter bei Tui um zwölf Prozent erhöht wurden. Zugleich nannte er es einen strategischen Fehler, in der Touristik trotz bekannter Risiken durch Anschläge oder Naturkatastrophen auf hohe eigene Kapazitäten bei Flugzeugen und Hotels zu setzen.

Rückendeckung erhielt Tui von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SDK) und von den drei großen spanischen Anteilseignern, darunter die mit Tui geschäftlich verbundene Riu-Gruppe. Der Kauf von CP Ships sei strategisch richtig, um eine zweite Säule neben der Touristik aufzubauen. Es brauche noch etwas Geduld und Vertrauen, bis die erhofften Ergebnisse eintreten, sagte ein Vertreter der spanischen Eigner, die zusammen rund 13 Prozent an Tui halten.

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