Zoff in Zürich
Kein Pils zur WM

Im Kanton Zürich verdirbt eine skurrile Vorgabe den Bierdurst: Pils in Flaschen darf dort nicht mehr als Pils verkauft werden. Das ärgert die Händler. Sie umgehen das Verbot mit einem Trick.
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ZürichStefan Müller freute sich auf gute Geschäfte. Der Inhaber der Getränke-Kette „Drinks of the World“ setzt auf die Fußball-WM und den großen Durst der Fans – entsprechend groß ist das Angebot an Bier in seinen sieben Geschäften. Bis ihm die Behörden den Verkauf von Pils verboten – mit einer überraschenden Begründung.

Die Geschichte regt Müller heute noch auf: „Ende Juni kam die Lebensmittelkontrolleure der Stadt in meinem Laden im Zürcher Bahnhof“, erzählt er Handelsblatt Online, „Sie verlangten, dass wir innerhalb einer halben Stunde alle Flaschen mit der Bezeichnung ‚Pils‘ aus den Regalen nehmen.“ Also vor allem viele beliebte deutsche Biere wie Krombacher Pils oder Jever.

Die Begründung: Ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und der ehemaligen Tschechoslowakei aus dem Jahre 1976. Dieser regelt, dass in der Schweiz keine Flaschen mit der Aufschrift „Pils“ oder „Pilsner“ verkauft werden dürfen, die nicht aus der Tschechoslowakei kommen. Im Gegenzug verpflichteten sich die Tschechen, den „Emmentaler“ auf Verpackungen besonders zu schützen.

Bier-Verkäufer Müller hält indes die Behörden-Aktion für eine Schnaps-Idee und sieht sich als Opfer Beamten-Willkür: „Es hat doch nie jemand die Einhaltung des Vertrages eingefordert, es gibt keinen Kläger“, sagt er. „Zudem habe ich das Problem nur in Zürich, in den anderen Kantonen lassen mich die Behörden in Ruhe.“

Ferdinand W. Uehli, Leiter der Lebensmittel-Inspektion Zürich, versteht die Aufregung nicht: „Es ist nicht das erste Mal, dass wir die Flaschen-Kennzeichnung im Handel beanstanden“, sagt er zu Handelsblatt-Online. Aber bisher sei das nie ein großes Thema gewesen. Den Vorwurf der Behörden-Willkür will er schon gar nicht auf sich sitzen lassen: „Wir sind auch für die Kontrolle der Lebensmittel-Kennzeichnung zuständig und müssen daher auch überwachen, ob gegen den Staatsvertrag verstoßen wird.“

Also eine WM ohne leckeres Pils? Das wollte Müller seinen Kunden nicht zumuten – und griff zu einem Trick. „Wir haben auf allen Etiketten die Bezeichnung ‚Pils‘ geschwärzt“, erklärt er. Das sei zwar viel Arbeit, aber so hätten die Behörden nichts zu meckern. „Allein auf jeder Jever Flaschen steht das Wort ‚Pils‘ viermal, das ist ganz schöner Aufwand.“ Zudem sehen die so umgearbeiteten Flaschen eigenartig aus. Ob dies die Verkäufe gedrückt hat, könne er noch nicht sagen.

Zudem informiert er seine Kunden in der Bahnhofs-Filiale von „Drinks of the World“ über Aushänge über seinen Pils-Krieg mit den Behörden. „Die meisten finden das lustig.“ Müller dagegen weniger. Er will nun mit den Bier-Importeuren reden, ob sie ihm Pils ohne die Aufschrift ausliefern können.

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