Zoff nach ARD-Markencheck: Rewe weist Vorwürfe gegen Öko-Siegel zurück

Zoff nach ARD-Markencheck
Rewe weist Vorwürfe gegen Öko-Siegel zurück

Das Recherche-Ergebnis des ARD-Markenchecks wiegt schwer: Die Supermarktkette Rewe soll mit ihrem Pro-Planet-Siegel mehr Nachhaltigkeit versprechen, als sie wirklich halten kann. Der Sprecher Martin Brüning wehrt sich.
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Kaum war der Rewe/Edeka-Markencheck am Montagabend im Fernsehen gelaufen, geriet der im Beitrag gezeigte Rewe-Sprecher Andreas Krämer in die Kritik. Die Art und Weise, wie er auf die vorgebrachten Vorwürfe gegen das Nachhaltigkeits-Label Pro-Planet reagierte, warf am Ende mehr Fragen auf, als er beantworten konnte. Sein Chef Martin Brüning („PR-Manager des Jahres 2011“) im Gespräch.

Handelsblatt Online: Herr Brüning, sind Sie sauer auf die ARD?

Wir haben nachweislich seit August 2012 in jeder Weise offen und konstruktiv die Journalistinnen des ARD-Markenchecks bei ihren Recherchen unterstützt. Auch und gerade beim Thema Pro Planet. Wir hatten deshalb auch auf Wunsch der Macher einen Besuch im Anbaugebiet in Almeria organisiert. Die Darstellung, wir seien dort mit einer großen Gruppe von Aufpassern und Pressesprechern eingeflogen, ist falsch. Wir hatten diesen Besuch ausdrücklich vereinbart und vorbereitet.

Auch Mitglieder des unabhängigen Pro-Planet-Beirats haben persönlich mit dem Journalistinnen gesprochen. Unser Anliegen war es zu zeigen, dass wir nachweislich bislang das einzige Unternehmen sind, das die riesigen sozialen Probleme dort in Angriff nimmt – auch wenn wir bislang noch nicht perfekt sind. Was daraus beim Markencheck am 7. Januar gemacht wurde, war unsachlich und irreführend. Darüber sind wir enttäuscht.

Sie werben bei Pro Planet vor allem auch mit Transparenz – warum machen Sie die Liste mit den Betrieben, in denen sich durch das Label die Arbeitsbedingungen verbessert haben, nicht öffentlich?

Auch Termine und Besichtigungen, die zwischen einem Unternehmen und Journalisten einvernehmlich vereinbart werden – wie hier im Falle des ARD-Markenchecks – haben grundsätzlich nichts mit Zensur tun, sondern tragen dazu bei, Transparenz zu schaffen. Wir haben in den Verträgen zu Pro-Planet ausschließlich aus Gründen des Wettbewerbsschutzes vereinbart, Stillschweigen über die Einzelheiten zu bewahren. Dass einzelne Anbaubetriebe in Almeria dem Wunsch der Journalisten nicht entsprochen haben, dort unangekündigt Aufnahmen zu machen und Interviews zu geben, halte ich für absolut nachvollziehbar und legitim.

Wie und wie häufig kontrollieren und sanktionieren Sie die 700 Erzeuger, die für Pro Planet produzieren?

Die Einhaltung der vertraglichen Standards wird unangekündigt stichprobenartig überprüft. Die Häufigkeit der Überprüfungen hängt nicht zuletzt von der in der bisherigen Zusammenarbeit gemachten Erfahrungen mit der Verlässlichkeit und Vertragstreue der Partner ab. Mit anderen Worten: Es wird intensiver geprüft, wenn es Vertragsverstöße gegeben hat oder der Verdacht auf Vertragsverstöße besteht.

Wie haben ihre Kunden auf den Markencheck reagiert und wie gehen Sie nun im Anschluss damit um?

Unsere Kunden haben kritische Nachfragen zu dem, was sie im Markencheck gesehen haben. Die beantworten wir nach bestem Wissen und Gewissen. Viele Kunden sind insbesondere deshalb irritiert, weil sie durch die meines Erachtens irreführende Darstellung in der TV-Doku den Eindruck gewonnen haben, die gezeigten Tagelöhner und das gezeigte schlechte Hüttendorf gehörten zu Pro-Planet-Anbaubetrieben.

Ich habe die Journalistinnen gebeten, uns schnellstmöglich mitzuteilen, wo und wann genau sie diese Aufnahmen gemacht haben, weil wir bei sofortigen Nachrecherchen keinen der im Film gezeigten Menschen als Mitarbeiter eines Pro-Planet-Anbaubetriebs identifizieren konnten.

Sie kritisieren, dass in der Reportage nur sehr reduziert auf das Engagement von Rewe eingegangen wird. Die SOS-Kinderdörfer wurden im Beitrag genannt. Was blieb unerwähnt?

Unerwähnt blieb vor allem das von uns verfolgte umfassende Konzept zur Verbesserung der sozialen Bedingungen. In einem fairen Beitrag hätte – auch in kürzester Form – verdeutlicht werden können, was die drei miteinander verbundenen Säulen dieses Konzepts sind: Einhaltung gesetzlicher Standards und Audits, Hilfe für illegal eingewanderte Menschen und Förderung in den westafrikanischen Herkunftsländern.

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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