Zu hohe Baukosten
Flughafen Wien wirft Führung raus

Der Flughafen Wien zieht Konsequenzen aus der Verdoppelung der Baukosten für den Terminal Skylink. Der Vorstandsvorsitzende Herbert Kaufmann wird mit Jahresende 2010 ausscheiden.
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HB WIEN. Der Flughafen Wien zieht die Konsequenzen aus dem Debakel mit dem Bau des Terminals Skylink. Nach massiver öffentlicher Kritik an der Explosion der Kosten für das Projekt tauscht das Unternehmen den Vorstand aus. Ende dieses Jahres tritt der Vorstandsvorsitzende Herbert Kaufmann vorzeitig ab. Er wird für ein Jahr von Christoph Herbst, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, ersetzt, wie das Unternehmen in der Nacht zum Donnerstag mitteilte. Der 50-jährige Anwalt führt das Kontrollgremium des Flughafens erst seit einem Jahr. Auch die beiden anderen Vorstände Ernest Gabman und Gerhard Schmid dürfen nur mehr ein Jahr bleiben. Sie sollen bis zur geplanten Fertigstellung des Terminals Kontinuität in der Führung des Unternehmens gewährleisten. Danach sollen zwei neue Vorstände berufen werden. Die Verträge der drei Vorstände wären erst 2014 ausgelaufen.

Christoph Herbst ist in Österreich kein unbekannter Mann. Der Anwalt ist Partner in einer angesehenen Kanzlei. Große Bekanntheit erlangte der 50-jährige Herbst im Frühjahr 2009. Er war der Anwalt der Opfer im Prozess gegen Josef Fritzl. Der Amstettener hatte seine Tochter 24 Jahre lang in einem Keller festgehalten und mit ihr auch mehrere Kinder gezeugt. Fritzl wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Herbst ist zudem ein enger Vertrauter des mächtigen niederösterreichischen Landeshauptmannes (Ministerpräsident) Erwin Pröll. Der Niederösterreicher ist der Onkel von Josef Pröll, dem Obmann der konservativen Volkspartei (ÖVP) und Finanzminister der Alpenrepublik.

Skylink ist das Prestigeprojekt des Flughafens Wiens. Der Flugsteig soll Kapazitäten bis weit in die Zukunft schaffen. Bei dem Mitte dieses Jahrzehnts begonnenen Bau lief es aber von Anfang nicht rund. Der Terminal sollte ursprünglich rund 400 Millionen Euro kosten. Nunmehr hofft der Flughafen, das Vorhaben mit knapp 830 Millionen Euro realisieren zu können. Der Terminal soll im ersten Halbjahr 2012 in Betrieb gehen.

Erstmals 2009 wurden Abweichungen vom Zeitplan und bei den Kosten bekannt. Zuletzt hatte sich auch der unabhängige Rechnungshof kritisch zu dem Projekt und dessen Umsetzung durch den Vorstand geäußert. Der Rechnungshof prüft in Österreich staatsnahe Betriebe. Wegen Skylink sind auch Dutzende Verfahren wegen angeblicher Untreue im Laufen.

Der Aufsichtsrat des Flughafens erklärte indes, dass aus seiner Sicht das Aktienrecht nicht verletzt wurde und er keine Straftatbestände sehe. Dennoch habe man sich zu einem Neuanfang durchgerungen, teilte das Gremium mit.

Der Flughafen Wien ist ein staatsnahes Unternehmen. Die Länder Wien und Niederösterreich halten gemeinsam vierzig Prozent und dominieren die Gesellschaft. Der Vorstand galt als „paritätisch“ besetzt. Das „rote“ Wien und das konservative Niederösterreich teilen sich den Einfluss.

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