Züge rollen wieder
Talkshow statt Tarifverhandlung

Nach dem Ende des bislang längsten Lokführerstreiks hat sich die Lage im Personenverkehr weitgehend normalisiert. Im Güterverkehr dürften die Aufräumarbeiten länger dauern. Und weitere Streiks drohen bereits. Ernste Gespräche dürfte es indes am Wochenende nicht geben: Anstatt an den Verhandlungstisch zurückzukehren, diskutieren die Streithähne lieber öffentlichkeitswirksam in einer Talkshow.

HB FRANKFURT/BERLIN. Die Lage im Personenverkehr hat sich weitgehend normalisiert. „Von wenigen Ausnahmen abgesehen rollt alles wieder“, sagte ein Sprecher am Samstagmorgen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sei es bei Betriebsbeginn jedoch vereinzelt zu Beeinträchtigungen gekommen.

Im Güterverkehr waren die Folgen dagegen auch nach Ende des Lokführerausstands noch zu spüren: Hier gebe es derzeit bundesweit noch Probleme, erklärte der Bahn-Sprecher. Die Aufräumarbeiten werden längere Zeit dauern. Vor allem im Osten müssten stehen gebliebene Züge aufgesucht und an ihr Ziel gebracht werden. Zusätzlich müssten ausgefallene Fahrten nachgeholt und in den ohnehin engen Fahrplan integriert werden. Auch der Einsatz der Loks müsse neu geplant werden. Das Wochenende biete dazu aber gute Gelegenheit, weil üblicherweise weniger Güterzüge verkehren als in der Woche.

Railion plane, mehr Personal in den Loks und den Zugbildungsanlagen einzusetzen, um die Rückstände aufzuholen, erklärte der Sprecher. Wie lange die Aufräumarbeiten andauerten, könne er nicht exakt sagen. Railion hat nach eigenen Angaben schon vor dem Streik Aufträge in zweistelliger Millionenhöhe verloren. Einzelne Kunden hätten nur einzelne Züge abbestellt, andere hätten ihre Transporte ganz auf andere Verkehrsträger verlagert, erklärte der Sprecher. Es sei sehr schwierig, diese wieder zurück zu gewinnen, da sie oftmals ihr ganzes Logistikkonzept umgekrempelt hätten und möglicherweise erneute Umstellungskosten scheuten.

Der Tarifstreit ist indes noch nicht beendet. Die wichtigsten Kombattanten im Tarifstreit bei der Bahn sitzen an diesem Sonntagabend in einem Raum zusammen: Der Boss der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, Bahn-Personalvorstand Margret Suckale, dazu der Chef der größten Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, und Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU), der im August schon einmal Vermittler war. Aber ernsthafte Tarifgespräche werden das kaum werden, denn die vier treffen sich in einem Fernsehstudio in Berlin-Adlershof, als Diskutanten der ARD-Talkshow „Anne Will“.

Dass die Kontrahenten den ersehnten Durchbruch ausgerechnet live vor den Augen eines Millionenpublikums an den Bildschirmen erzielen, dürfte nach dem monatelangen Ringen eher nicht zu erwarten sein. Nach der erneuten Eskalation des Arbeitskampfes gilt aber schon das Treffen an sich als Fortschritt – und spannend zu beobachten dürfte sein, wie beide Seiten ihre starre Positionen erläutern und erklären, warum sie nun miteinander sprechen, aber nicht am Verhandlungstisch.

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