Zündstoff Immobilienverkauf
Karstadt-Quelle könnte turbulente Hauptversammlung bevorstehen

Medienberichten zufolge könnte bei der Hauptversammlung von Karstadt-Quelle am Montag der Verkauf des Tafelsilbers, also der konzerneigenen Häuser, zum Zündstoff werden.

HB ESSEN. Erwartet wird, dass Vorstandschef Thomas Middelhoff den Aktionären in Düsseldorf noch einmal das Entschuldungskonzept mit dem 4,5 Milliarden Euro umfassenden Immobilienverkauf erläutert. Was nicht auf der Tagesordnung der Hauptversammlung steht, könnte aber noch Thema werden.

Die Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ (FTD) zitiert Juristen und Aktionärsschützer, die Klagen von Wertpapierbesitzern gegen Karstadt-Quelle zumindest für möglich halten. Grund sei der Umfang des Immobiliengeschäfts, dass den weitaus größten Teil des Gesellschaftsbesitzes ausgemacht habe. Den Restwert schätze die Investmentbank Merill Lynch auf noch eine Milliarde Euro.

Mit Bezug auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) aus dem Jahr 1982, das so genannte Holzmüller-Urteil, heißt es, dass der Vorstand besser die Zustimmung der Aktionäre hätte einholen sollen. Auch wenn der Verkauf deshalb nicht gleich gekippt werden könne, seien aber Schadenersatzklagen von Aktionären nicht ausgeschlossen.

Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe winkt ab. „Der Immobilienverkauf ist in einem Gutachten juristisch bewertet worden“. Fazit sei, dass die Aktionäre nicht befragt werden müssten. Das Gutachten basiere auf jüngeren Urteilen des BGH, meinte Howe am Freitag. Deswegen sei der Immobilienverkauf auch nicht Programmpunkt der Hauptversammlung. Der Aufsichtsrat hatte den Verkauf der 174 Immobilien an den Immobilienfonds Whitehall, an dem Karstadt-Quelle auch selbst beteiligt ist, nach Prüfung des Gutachtens genehmigt.

Fragen stellen können die Aktionäre zum dem Thema dennoch, auch wenn es nicht Tagesordnungspunkt ist. Gern wird Middelhoff den Aktionären dann wohl erklären, dass der Konzern nicht nur schuldenfrei dastehen werde, sondern auch die geringe Eigenkapitalquote erhöhen und bei interessanten Angeboten auf dem Markt wieder zuschlagen könne.

Dass die Essener inzwischen auf Erholungskurs steuern, hatte schon im März die Bilanz für das vergangene Jahr gezeigt. Für das laufende Jahr hatte Middelhoff weitere Verbesserungen im operativen Geschäft angekündigt. Ob die Schätzung realistisch ist, könnten schon die Zahlen für das erste Quartal zeigen, die am Montag vorgelegt werden. Immerhin sieht Middelhoffs Plan vor, dass der langjährige Krisenkonzern 2008 „durchgreifend saniert“ sein soll und auf den drei Säulen Warenhäuser, Versandhandel und Reise stehen wird.

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