Zugverkehr
Studie: Boom der Bahn geht weiter

Europas Bahnen rechnen damit, dass sie im Verlauf der nächsten zehn Jahre im Nah- und Fernverkehr auf Schienen massiv Fahrgäste gewinnen werden. Sie erwarten vor allem eine Zunahme des grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitsverkehrs. Um bis zu 50 Prozent werde dieser bis 2018 wachsen, ermittelte eine Studie der Düsseldorfer Unternehmensberatung Droege & Comp.

DÜSSELDORF. Befragt wurden Führungskräfte von Bahnunternehmen in allen EU-Staaten. Die Wettbewerbsfähigkeit der Bahnen werde im Fern- wie im Nahverkehr deutlich steigen, waren die Manager überzeugt. Auch eine Studie des Beratungsunternehmens SCI Verkehr hatte kürzlich trotz Wirtschaftskrise ein jährliches Wachstum im Personenverkehr von 3,6 Prozent vorhergesagt.

Allerdings kann der Ausbau der Schienennetze mit den Wachstumsprognosen nicht Schritt halten. Für die Verkehrsprojekte „Transeuropäische Netze“ (TEN) seien für die Jahre 2007 bis 2011 bei der EU Fördermittel von über 11 Mrd. Euro beantragt worden, doch stünde nur etwas weniger als die Hälfte der Gelder tatsächlich zur Verfügung. Zahlreiche Projekte gerieten in Zeitverzug. Die Attraktivität von Bahnverbindungen hänge aber weitgehend von Investitionen in die Infrastruktur ab: Neue Schnellstrecken würden die Fahrgastzahlen häufig sprunghaft steigen lassen.

Viele Bahnen sind trotz der Liberalisierung des Verkehrsmarktes noch weit davon entfernt, wie echte Wirtschaftsunternehmen zu handeln, beschreibt die Studie. Obwohl 80 Prozent der Befragten die Ansicht äußerten, man könne die spezifischen Bahn-Leistungen vom Marketing bis zum Fahrbetrieb auch von Dritten erfüllen lassen, würden Outsourcing-Chancen kaum wahrgenommen, beschreibt Mit-Autor Thorsten Pulver. Das liege zwar zum Teil an der Wirtschaftskrise und dem Bemühen, viele Mitarbeiter im Unternehmen selbst auszulasten. Häufig werde aber übersehen, dass das Outsourcing neben Kostenvorteilen auch Prozess-Sicherheit und Serviceverbesserungen bieten könne.

Auch das so genannte Yield-Management sei bislang nur von großen Bahnen als Mittel zur Erhöhung der Zug-Auslastung erkannt worden. Fluggesellschaften beispielsweise optimieren damit über den Preis den Verkauf von freien Kapazitäten.

Die Studie nennt Frankreichs SNCF als Musterschüler: Der Hochgeschwindigkeitszug TGV erreiche eine Auslastung von 76 Prozent. Die Deutsche Bahn schaffe beim ICE dagegen nur eine durchschnittliche Auslastung von 43 Prozent. Yield Management zu vernachlässigen, sei so Pulver, „aus unserer Projekterfahrung aber ein großer Fehler. Es gibt nichts Profitableres, als zusätzliche Passagiere in bestehende Relationen einzubinden“.

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