Zukäufe belasten die Bilanz – Zeitarbeitsbranche weltweit unter Druck
Adeccos Problemzone: die USA

Die alarmierende Mitteilung von Adecco fällt in eine Zeit, in der es der Leiharbeitsbranche lange nicht mehr so gut geht wie ehedem. Und die Branche bleibt unter Druck.

lü DÜSSELDORF. Die Verschiebung der Adecco-Rechnungslegung löst Spekulationen aus. Neben einem Betrugsskandal könne es sich auch schlicht um ein Problem bei der Verbuchung von Umsätzen handeln, sagt Nicole Burth, Analystin von Lombard Odiersie. Möglicherweise gebe es in diesem Zusammenhang hohe Abschreibungen im US-Geschäft. Der Konzern erzielt rund 90 % seiner Umsätze in der Division Adecco Staffing, also der Bereitstellung von Arbeitskräften für Verwaltung, Technik und Industrie. 22 % dieses Umsatzes wurden 2002 in Nordamerika erreicht.

Für denkbar halten Analysten auch, dass die Probleme von Adecco von der US-Zeitarbeitsfirma Olsten herrühren, die Adecco im Jahr 2000 für 1,55 Mrd. Dollar übernommen hatte. Gegenwärtig steht Olsten nach Angaben von Analystin Burth mit 1,5 Mrd. Schweizer Franken in den Büchern von Adecco. Die Überprüfung könnte daher zu einer Abschreibung auf Olsten führen. In Nordamerika verfüge das Unternehmen noch über erheblichen Goodwill in der Bilanz. Sollte sich eine Wertminderung ergeben, würde das die mit 23 % für 2002 ohnehin schon schwache Kapitalbasis weiter verringern.

Die alarmierende Mitteilung von Adecco fällt in eine Zeit, in der es der Leiharbeitsbranche lange nicht mehr so gut geht wie ehedem. Im deutschen Markt belegt Adecco die zweite Position. Die zweistelligen Zuwachsraten der 90er-Jahre gehören der Vergangenheit an. So brach 2002 der Umsatz der Branche in Deutschland um 11 % auf 6,8 (Vorjahr: 7,5) Mrd. Euro ein.

Und die Branche bleibt unter Druck. Neben der schwachen Konjunktur bereiten den Unternehmen die staatlich geförderten Personal- Service-Agenturen Sorgen. Diese haben bereits in einigen Fällen mit Preisdumping für Schlagzeilen gesorgt. Wenn die neuen Tarifverträge für Zeitarbeit umgesetzt werden, rechnen Unternehmensvertreter und Experten mit weiteren Umsatzrückgängen. Besonders Zeitarbeitsfirmen mit einem hohen Anteil an unteren Lohngruppen, wie beispielsweise Randstad (40 %) und Adecco (37 %) werden nach Auffassung von Michael Heider, Analyst bei Berenberg, gebeutelt. „Die Unternehmen müssen in den Bereichen der geringer qualifizierten Beschäftigten höhere Löhne zahlen. Diese Kostensteigerungen können sie jedoch nicht voll an ihre Kunden weitergeben, was dann zu Lasten der Margen geht.“

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