Zukauf in Deutschland
Kuonis Reiseziel bleibt im Nebel

Der Schweizer Reiseveranstalter Kuoni steht mitten im Umbruch. Doch die Neustrukturierung des Konzerns läuft nicht so glatt, wie erwartet und als erste Konsequenz musste bereits Chef Armin Meier gehen. Nun übernimmt Kuoni die Berliner Conference & Touring, wagt den Wiedereinstieg in Deutschland – Experten fragen sich allerdings, warum.

ZÜRICH. Der größte Schweizer Reisekonzern Kuoni kauft sich wieder in den deutschen Markt ein: Er übernimmt für einen Preis, der nach weit auseinanderliegenden Analystenschätzungen zwischen fünf bis zehn Mill. Euro liegen dürfte, das Unternehmen Conference & Touring mit Sitz in Berlin. Der inhabergeführte Reiseanbieter organisiert Konferenzen und Veranstaltungen. Er erzielt mit 54 Mitarbeitern in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von 16 Mill. Euro. Mit der Übernahme steigt der Schweizer Reisekonzern wieder in den deutschen Markt ein, aus dem er sich vor zwei Jahren zurückgezogen hatte. Kuoni hatte damals seine in Friedrichshafen ansässige Tochtergesellschaft mit 32 Reisebüros an die Otto Freizeit und Touristik GmbH verkauft, die zum Otto-Konzern gehört.

Der Schritt fällt mitten in einen Umbau des Konzerns, der seit Monaten anhält. Die Organisation nach Ländern wird zugunsten einer Spartenstruktur aufgelöst. Dass dabei nicht alles glatt läuft, wurde vergangene Woche darin deutlich, dass der Verwaltungsrat Kuoni-Chef Armin Meier den Stuhl vor die Tür gestellt hat. "Unterschiedliche Auffassungen über Führung und Umsetzung der laufenden Reorganisation" wurden offiziell als Gründe genannt. Weil darauf Übernahmespekulationen die Runde machten, schoss der Aktienkurs prompt in die Höhe. Ein Nachfolger für Meier ist bisher nicht in Sicht, was die Not des Verwaltungsrats deutlich macht, der sich offenbar zu einer raschen Entscheidung gezwungen sah. Bis auf weiteres ist Finanzchef Max Katz Sprecher der Konzernleitung. Übernahmegerüchten widerspricht Verwaltungsratspräsident Henning Boysen vehement: "Wir haben die Größe und Strategie, um in der Tourismusindustrie als selbständiger Akteur erfolgreich zu sein", sagte er kürzlich in einem Interview.

Hintergrund des Führungswechsels ist die prekäre Situation von Kuoni, die einen straffen Führungsstil verlangt, der Meier offenbar nicht zugetraut wurde. Die Kuoni-Gruppe, die für das dritte Quartal zwar ein Rekordergebnis vorgelegt hat, kämpft in ihren Kernmärkten Großbritannien und der Schweiz darum, weiter zu den führenden Reiseveranstaltern zu zählen. In Großbritannien, wo die Schweizer im so genannten Premium-Segment unterwegs sind, hatten sich dieses Jahr einige europäische Reiseveranstalter zusammengeschlossen. Kuoni gehört nicht dazu und spürt nun die übermächtige Konkurrenz. Die Gewinnmarge fiel in diesem für das Unternehmen bislang einträglichen Markt gleich um 44 Prozent. "Wir müssen uns dort neu positionieren", sagt Kuoni-Sprecher Peter Brun. Auch für die Schweiz hat Kuoni eine Reorganisation angekündigt, die allerdings keine Arbeitsplätze kosten soll. Im Verwaltungsrat setzte sich darauf die Meinung durch, dass Meier nicht mit der nötigen Konsequenz zur Sache gegangen ist.

Auch Finanzinvestoren ist Kuoni als Konzern aufgefallen, der in einem Umbruch steckt und möglicherweise zum Kaufobjekt wird. Mehrere Fonds stockten ihre Anteile auf. Allerdings sind die Stimmrechte dieser Investoren laut Kuoni -Satzung auf drei Prozent beschränkt, so dass die Kuoni-Hugentobler-Stiftung mit 25 Prozent bei dem Unternehmen das Sagen hat. Brun räumt allerdings ein, dass die anderen Großaktionäre gemeinsam Druck auf die Stiftung ausüben können, wenn sie Änderungen erzwingen wollen.

Im vergangenen Jahr hatte der damalige Kuoni -Verwaltungsratspräsident Andreas Schmidt seinen Hut genommen, nachdem er einen internen Machtkampf über eine Fusion von Kuoni mit dem britischen Branchenführer First Choice verloren hatte. Durch die abgesagte Fusion mit dem Konkurrenten hat sich Kuoni bis auf weiteres auf einen Alleingang festgelegt. In der Branche wird diese Strategie jedoch in Frage gestellt. Analysten wie die der Basler Bank Sarasin stellen Kuoni "unter Beobachtung". Andere spekulieren über Partner: Dabei ist die Rede von einer Annäherung an deutsche oder britische Branchengrößen oder davon, dass es zu einer "Schweizer Lösung" kommen könnte, bei der Kuoni mit der Migros-Tochter Hotelplan zusammenginge.

Vom Alleingänger zum Übernahmekandidaten

Alleingang fraglich: Kuoni ist auf die Märkte Schweiz und Großbritannien spezialisiert. Der Schweizer Markt ist jedoch klein und bei den Briten gerät Kuoni ins Hintertreffen, seit sich dort Reiseanbieter zusammengeschlossen haben und die Preise sinken. So hatte Tui den Großteil der Reisesparte mit dem britischen Konkurrenten First Choice verschmolzen.

Finanzinvestoren: Britische und französische Fonds haben ihre Anteile an dem Schweizer Anbieter aufgestockt. Unter ihnen ist auch Richelieu Finance, die bei Kuoni und Club Med jeweils zwölf Prozent der Anteile hält. Ein durch sanftes Nachhelfen des Finanzinvestors gefördertes Zusammengehen der beiden Ferienveranstalter schließen Beobachter nicht aus.

Börsenkurs profitiert: Die Spekulationen treiben den Aktienpreis, der seit der Ankündigung des Alleingangs im vergangenen Jahr unter Druck gekommen war, inzwischen wieder nach oben.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%