Zukunft des Luftverkehrs
Das fliegende Arbeitszimmer

Die Kurzstrecke in der Luftfahrt steht unter Druck. Knausrige Firmen und die wachsende Konkurrenz etwa der Bahnen machen für die Fluggesellschaften neue Konzepte notwendig. Ein Blick in die Zukunft des Fliegens.
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FRANKFURT. In einer halben Stunde hebt der Flieger ab. Noch immer sitzt Heinz F. am Steuer seines Autos. Ganz schön viel los auf der Straße. Doch der Geschäftsführer eines mittelständischen Werkzeugmaschinenbauers bleibt entspannt. Sein Smartphone lenkt ihn in das Parkhaus, das dem Abfluggate am nächsten liegt. Aussteigen, das Handgepäck, nach kurzem Fußmarsch noch schnell durch die Passkontrolle per Iris-Scan, danach der automatische Sicherheitsscan, und schon ist das Abfluggate erreicht. Einchecken? – Längst unterwegs erledigt.

Diese Vision könnte bald Wirklichkeit werden. „Wir arbeiten an solchen Dienstleistungen. So etwas ist für uns absolut vorstellbar“, heißt es bei der Lufthansa, Europas führender Fluggesellschaft. „Wenn wir über das Fliegen in zehn Jahren reden, dann sind vor allem zwei Dinge für Vielflieger und Geschäftsreisende wichtig: Schnelligkeit und Flexibilität.“

Nirgendwo sonst ist der Luftverkehr derart im Umbruch wie auf der kurzen Strecke. Viele Unternehmen bleiben nach dem Ende der Krise bei ihren restriktiven Reisevorgaben. Die meisten Manager und Führungskräfte müssen bei einer Flugdauer von weniger als zwei Stunden auch künftig in die Holzklasse. Die vorderen Plätze (Business-Class) werden vor allem den Top-Ebenen vorbehalten bleiben. Aber längst nicht überall. Telekom-Chef René Obermann fliegt nach wie vor Eco, wenn er etwa nach Berlin muss.

Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz durch die Bahn. Zwar gibt es noch Hindernisse etwa beim grenzüberschreitenden Bahnverkehr. Aber: „Durch innovative Buchungsmöglichkeiten werden die verschiedenen Verkehrsmittel wie Privat-Pkw, Taxi, öffentlicher Nahverkehr, Bahn und Flugzeug künftig deutlich flexibler kombiniert werden“, sagt Nathan Zielke, Luftfahrtexperte der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little. Die Verkehrsmittel werden austauschbarer.

Schon jetzt ist dieser Trend erkennbar. So haben in der Krise deutlich mehr Geschäftsreisende die Bahn genutzt als vor dem Wirtschaftseinbruch. Nach Berechnungen des Dienstleisters Airplus, an dem Lufthansa beteiligt ist, kauften Geschäftsreisende in Europa in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sieben Prozent mehr Bahntickets als im ersten Halbjahr 2009. Mit dem Ausbau des grenzüberschreitenden Verkehrs wird die Schiene noch attraktiver, sind sich Experten sicher.

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