Zukunft ungewiss
Roßmann macht Schlecker-Frauen wenig Hoffnung

Der Tag danach: Die vor dem Aus stehenden Schlecker-Filialen haben geöffnet, die Kunden fragen nach Rabatten, die Beschäftigten sehen der Arbeitslosigkeit entgegen. Und die Politik streitet wieder um Hilfen.
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Ehingen/StuttgartNach dem Aus der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker müssen sich tausende Beschäftigte auf die Suche nach einem neuen Job machen. Mehr als 13 000 Menschen in Deutschland werden Ende Juni ihren Job verlieren. In den kommenden Tagen beginne in den Schlecker-Filialen der Ausverkauf, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz. Der Sozialflügel der CDU forderte am Samstag eine Transfergesellschaft für die von der Entlassung betroffenen Mitarbeiter.

Handeln müsse Baden-Württembergs grün-rote Landesregierung, sagte der stellvertretende CDA-Bundesvorsitzende Christian Bäumler am Samstag in Stuttgart. „Die Politik darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und der Bundesagentur für Arbeit den Schwarzen Peter zuschieben.“ Die entlassenen Schlecker-Mitarbeiter müssten in einer Transfergesellschaft fortgebildet oder umgeschult werden. Sonst hätten sie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Baden-Württemberg sei in der Verantwortung, weil sich hier der Sitz des vor der Zerschlagung stehenden Unternehmens befinde. „Die Landesregierung muss schnell und in enger Abstimmung mit der Bundesagentur für Arbeit aktiv werden, damit die Mitarbeiter nicht in die Arbeitslosigkeit abstürzen“, sagte Bäumler. Die Chancen für die Betroffenen stünden schlecht. Allein in Baden-Württembergs Einzelhandel kämen auf eine offene Stelle fünf Bewerber.

Nach monatelangem Ringen hatten die Gläubiger am Freitag das Aus für die Drogeriekette beschlossen. Mögliche Investoren hätten zu wenig geboten.Um eine Transfergesellschaft hatte es bereits Ende März Streit gegeben. Die unter anderem von Baden-Württemberg angepeilte Gründung einer solchen Gesellschaft für die schon damals entlassenen Schlecker-Mitarbeiter war am Widerstand der FDP gescheitert.

Die Schlecker-Filialen hatten am Samstag wie gewohnt geöffnet. „Die Kunden fragen nach Rabatten“, sagte eine Mitarbeiterin in Freiburg. Das bevorstehende Ende sei ein großes Thema. „Der Ausverkauf wird für uns Beschäftigte noch einmal bitter werden.“

Deutschlands zweitgrößte Drogeriekette Rossmann will den Schlecker-Mitarbeitern keine übertriebenen Hoffnungen auf einen neuen Job machen. „Wir werden sicher auch ehemalige Schlecker-Mitarbeiter einstellen“, sagte Firmenchef Dirk Roßmann am Samstag. Wie viele der Schlecker-Beschäftigten eine Arbeitsstelle bei Rossmann bekämen, könne allerdings nicht gesagt werden. Eine Bevorzugung von ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen dürfe es schon vom Gesetz her nicht geben, betonte ein Sprecher von Rossmann. Sie hätten wegen ihrer Qualifikation gute Chancen, doch sie müssten sich gegen andere Bewerber durchsetzen.

Zur eventuellen Übernahme ganzer Schlecker-Filialen sagte Roßmann: „Wir haben alle Märkte gecheckt, infrage kämen für uns nur 50 bis 80.“ Die große Mehrzahl der Schlecker-Märkte sei entweder zu klein oder ihr Standort sei nicht lukrativ. Zu den Großgläubigern von Schlecker gehören nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ auch die beiden Kinder des Firmengründers Anton Schlecker, Meike und Lars. Das Ehinger Logistikunternehmen LDG, das beiden Schlecker-Kindern gehöre, habe ein Darlehen von insgesamt 70 Millionen Euro an die Firma des Vaters vergeben. Eine Rückzahlung dieses Darlehens sei nun unwahrscheinlich.




Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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    Zitat:
    Handeln müsse Baden-Württembergs grün-rote Landesregierung, sagte der stellvertretende CDA-Bundesvorsitzende Christian Bäumler am Samstag in Stuttgart. „Die Politik darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und der Bundesagentur für Arbeit den Schwarzen Peter zuschieben.“
    Zitat Ende:

    Wer Geld für Windmühlen und PV verschwendet, muß auch Geld für die Schlecker-Frauen haben.
    Oder sie (auf eigene Kosten natürlich) in den "Vorruhestand" schicken.
    Grün-rot kann auch gerne in BW eine "Transfergesellschaft" gründen, aber nicht von unsereren Steuergeldern.
    Wir retten nur "Gierbankster", den "(T)Euro", "Griechenland" und andere "Pleitestaaten".

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