Zukunftsaussichten
Hamburger Hafen sieht keine Besserung 2009

Der Einbruch im Umschlag- und Transportvolumen wirkt sich auch auf die Bilanzen des Hamburger Hafenbetreibers HHLA auf. Mit Kostensenkungen sollen die niedrigeren Umsätze kompensiert werden. Trotz der Krise möchte der Vorstand aber an seinem Wachstumsplan festhalten - und den Hafen ausbauen.

HAMBURG. Die im MDax notierte Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) stellt sich für das laufende Jahr auf einen zweistelligen Einbruch im Umschlag- und Transportvolumen ein, der auf Umsatz, Ergebnis und Marge durchschlagen wird. „Die Investitionen passen wir an und reduzieren die Kosten“, sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Peters gestern bei Vorlage der Bilanzdetails 2008. HHLA werde „alles daran setzen, Kündigungen auszuschließen“, müsse aber voraussichtlich zur Jahresmitte Kurzarbeit anmelden. Wie viele der 5 000 Mitarbeiter betroffen sein werden, ließ der Manager offen. Gespräche mit dem Betriebsrat laufen. In der Stammbelegschaft sollen zudem durch Fluktuation 60 bis 100 Stellen wegfallen.

HHLA will weiter profitabel bleiben. Vor allem sollen die Kosten runter. „Wir profitieren von der besonders flexiblen Situation im Hafen“, betonte Peters. Statt wie bislang im Schnitt 20 Prozent der Ver- und Entladetätigkeit durch Leiharbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins erledigen zu lassen, verrichten sie nur fünf bis zehn Prozent.

Im Gegensatz zu Bremen und Bremerhaven will die HHLA einen Stellenabbau im Leiharbeiterpool vermeiden und sich dazu „finanziell engagieren“, sagte Personalvorstand Heinz Brandt. Konkret nannte er höhere Zahlungen ab Ende des Jahres. Mehrheitsaktionär von HHLA ist das Land Hamburg. In Bremen verlieren infolge der Flaute 1 400 Mitarbeiter ihren Job.

Ein Programm zur Kostensenkung soll bei HHLA zügig Ergebnisse zeigen, indem der Anteil an Fremdleistungen verringert wird und der Kauf von Geräten sowie der Start von Baumaßnahmen aufgeschoben werden. Angesichts der Unwägbarkeiten will der Vorstandschef die Investitionen zwar erhöhen, aber flexibel in einem Korridor von 280 bis 320 Mio. Euro halten.

Für das erste volle Jahr an der Börse zahlen die Hanseaten den Anlegern pro Aktie einen Euro Dividende – ein Plus von 17,6 Prozent. Die Commerzbank bestätigte gestern ihre Kaufempfehlung trotz erwarteter Einbrüche des Umschlag- und Transportvolumens in den ersten Monaten um mehr als 20 Prozent. Die Aktie legte leicht zu auf 18 Euro.

Im vergangenen Jahr erfüllten die Hamburger die Prognose und verzeichnete Rekordmarken: Der Umsatz stieg um 12,4 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 23,4 Prozent auf 355 Mio. Euro. „2008 war von Beginn an ein recht schwieriges Jahr“, sagte Peters. „Im vierten Quartal haben wir extrem die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf unser Geschäft gespürt.“

Für das Jahr 2009 macht sich der Hafenbetreiber wenig Hoffnung und plant auf Basis des niedrigen Niveaus im ersten Quartal. „Wir gehen nicht von einer nennenswerten Wiederbelebung in der zweiten Jahreshälfte aus“, sagte HHLA-Chef Peters. „Alles andere wäre Pfeifen im Wald.“

Erstmals seit Bestehen könnte es aufgrund der weltweiten Krise zu einem Rückgang des globalen Containerhandels kommen. Im Jahr 2008 steigerten die Hamburger den Containerumschlag noch um 1,2 Prozent.

Nach Jahren des Booms machen Überkapazitäten und sinkende Frachtraten den Reedern immer schwerer zuschaffen. Sie reagieren und dünnen Linien aus. Gut 500 Containerfrachter wurden stillgelegt, in China stauen sich leere Container.

HHLA glaubt an langfristiges Wachstum und investiert in den Ausbau ihrer Terminals, um die aus Kostengründen immer größeren Containerschiffe in Hamburg abfertigen zu können.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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