Zumba im Supermarkt
Tesco lässt die Kunden tanzen

Englands größter Einzelhändler kämpft mit einem Umsatzschwund und der lästigen Konkurrenz aus Deutschland. Damit das Geschäft wieder in die Spur kommt, will die weltweite Nummer drei ihre Sorgen einfach wegtanzen.
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DüsseldorfEinfache Schritte, fetzige Musik und Lebensfreude pur: Wer beim kolumbianischen Kult-Sport Zumba nur ans Abnehmen denkt, liegt falsch. Die Mischung aus Tanz, Aerobic und Intervalltraining soll jetzt auch Großbritanniens größte Supermarktkette wieder in Topform bringen. Denn statt Kalorien schmelzen bei Tesco derzeit nur die Umsätze.

Der Pferdefleisch-Skandal hat vielen Verbrauchern den Appetit verdorben. Ausgerechnet im wichtigen Heimatmarkt, in dem die weltweite Nummer drei nach Wal-Mart und Carrefour den Großteil ihres Geschäfts macht, fielen die Erlöse im abgelaufenen Quartal empfindlich. Erstmals seit zwei Jahrzehnten hatte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr sogar einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen – Zeit, gegenzusteuern.

Das Management steckt daher nun alle Kraft und etwas kolumbianisches Flair in die Neugestaltung seiner britischen Filialen; insgesamt sind es 2715. Die Supermärkte sollen modernisiert werden und mehr Personal bekommen. Zudem versucht Tesco, Kunden mit Preisnachlässen anzulocken. Doch damit nicht genug. Um das Geschäft schneller wieder auf Hochtouren zu bringen, will der Einzelhändler seine Kundschaft nun mit kostenlosen Zumba-Kursen, Kinder-Spielgruppen und eigenen Bäckereien mit frischen Waren anlocken. „Wenn das funktioniert, können wir den Wettbewerb wieder beschleunigen“, sagte Tony Hoggett, Chef der 250 Tesco-Extra-Läden, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Weil internationale Rivalen wie der deutsche Discounter Aldi auch auf der britischen Insel auf dem Vormarsch sind, ist das Umfeld für Tesco im Heimatmarkt derzeit schwierig. Die Kundschaft, geplagt von Inflation und stagnierenden Löhnen, weicht häufig ins Internet aus oder kauft günstiger in kleinen, lokalen Geschäften ein. Eine Milliarde Pfund (umgerechnet etwa 1,16 Milliarden Euro) nimmt Tesco jetzt in die Hand, um wieder in die Spur zu kommen und die Wettbewerber auf Abstand zu halten. Denn auch außerhalb Großbritanniens, in Kontinentaleuropa und Asien, ist das Umfeld schwierig und Umsätze schrumpfen.

Der erste Testmarkt mit den schweißtreibenden Zumba-Kursen ist am Stadtrand von London in Watford und soll am 12. August eröffnet werden. Zwei weitere Filialen liegen im nördlichen England und stehen ebenfalls kurz vor der Eröffnung. Dort wolle man zunächst ausprobieren, ob und wie die Kundschaft auf das neue Angebot reagiert. Die neuen Filialen sollen, so Hoggett, in Zukunft aufregender sein und der Kundschaft ein Erlebnis bieten. Man kann sich gut vorstellen, dass das Konzept funktioniert. Denn wer bei einer Zumba-Einheit nicht nur Stress abbaut, sondern in einer Stunde auch gut 1000 Kilokalorien verbrennt, packt im Anschluss gleich nochmal eine Extraportion Lebensmittel in den Einkaufswagen.

Umgarnt werden sollen die Engländer auch mit Gourmet-Kaffee und einem kleinen Garten, der früher mit unzähligen Einkaufswägen vollgestopft war. Außerdem werden dort frische Tapas angeboten.

Zuletzt hatte sich der Einzelhandelsriese die Finger mit dem Sprung in die USA verbrannt. Dort baute er eine Supermarktkette unter dem Namen „Fresh & Easy“ auf – und zog im April die Notbremse. Seit 2007 hatte der Konzern über 200 Filialen im Westen der USA eröffnet, 5000 Mitarbeiter sind dort tätig. Die missglückte Expansion und der Rückzug belasten Tesco mit insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Ein Käufer ist bislang nicht gefunden worden.

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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