Zusammenschluss mit Swiss geplatzt
Analysten: Lufthansa muss sich nicht grämen

Nach monatelangem Flirt hat die Lufthansa von der Swiss die kalte Schulter gezeigt bekommen. Swiss zieht einen britischen Partner vor. Branchen-Kenner sehen die deutsche Fluggesellschaft jedoch nicht als Verlierer an, war es doch laut Analysten nur schwer abzuschätzen, welche finanziellen Lasten die Partnerin mit in die Ehe gebracht hätte.

HB FRANKFURT. Der angestrebte Einstieg der Lufthansa bei der Swiss ist gescheitert, doch die meisten Branchen-Kenner sehen die deutsche Fluggesellschaft nicht als Verlierer an. Viele von ihnen hatten ohnehin Bauchschmerzen bei dem Gedanken, Lufthansa könnte sich zur Beteiligung an einer unrentablen und vielleicht reformunwilligen Fluggesellschaft hinreißen lassen.

„Ich habe nie die Notwendigkeit für eine Kapitalbeteiligung gesehen. Es ist positiv, dass Lufthansa keinen Kapitalanteil an Swiss genommen hat“, sagt ein Analyst, der nicht namentlich genannt werden will. „Swiss ist weiter ein hartnäckiger Restrukturierungsfall, die Wahrscheinlichkeit für einen Bankrott weiter sehr hoch. Swiss ist für ihren Heimatmarkt Schweiz einfach zu groß“. Der Beitritt von Swiss zum Luftfahrt-Bündnis Oneworld um Europas größte Fluggesellschaft British Airways könne allenfalls ein erster Schritt auf dem Weg zu einer grundlegenden Restrukturierung des Unternehmens sein, ansonsten werde nur der Leidensprozess der Fluglinie verlängert. Swiss erklärte dagegen, durch den Beitritt zu Oneworld verbesserten sich die wirtschaftlichen Perspektiven deutlich. Firmenchef Andre Dose bekräftige das Ziel, 2004 die Gewinnschwelle zu erreichen und im Jahr darauf schwarze Zahlen zu schreiben.

„Swiss hat die einfachere Entscheidung getroffen - gegen die drastischen Sparmaßnahmen, die Lufthansa ihr abverlangt hätte“, sagt auch der Analyst Robert Czerwensky von der Vereins- und Westbank. Ihm fehlen außerdem die harten Fakten, etwa, ob BA mit Kapital bei Swiss einsteigt oder es bei einer losen Allianz bleiben soll. „Plakativ sieht es wie eine Rettung aus. Aber es bleiben Fragezeichen, ob Swiss mit diesen Überkapazitäten einmal ein positives Ergebnis erzielen wird“, sagt Czerwensky. Auch die Ankündigung, der Zürcher Flughafen solle als Drehkreuz weiter ausgebaut werden, sei eher Wunschdenken.

„Für den gesamten Markt wäre eine Pleite von Swiss am besten gewesen“, bilanziert Czerwensky mit Blick auf die schleppende Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt-Branche. Denn bereits seit Jahren werden viele Fluggesellschaften nur deshalb mit Finanzspritzen am Leben erhalten, weil sie als Nationalsymbol gelten oder die komplizierten Luftfahrtgesetze innerhalb der Europäischen Union (EU) Fusionen verhindern beziehungsweise durch die dann drohende Aberkennung von Start- und Landerechten sinnlos machen. Branchenkenner gehen daher davon aus, dass sich immer mehr kleine Fluggesellschaften unter das Dach der großen Drei in Europa - British Airways, Air France und Lufthansa - flüchten werden. Ihnen allein werden Chancen auf ein eigenständiges Überleben eingeräumt, die Allianzen gelten als Vorstufe zu Fusionen.

Nach Einschätzung Czerwenskys könnte der Konkurrenzdruck in Europa für Lufthansa durch Oneworld zwar kurzfristig steigen. Als Mitglied der weltweit führenden Star Alliance sei Lufthansa aber langfristig gut positioniert, besonders wegen der starken Verankerung des Bündnisses im Wachstumsmarkt Asien. „Das ist ein Pluspunkt für Lufthansa: Sie ist in einem Zukunftsmarkt gut aufgestellt, wo noch eine reale und zunehmende Nachfrage nach Kapazitäten herrscht“, sagt der Analyst. In einem übersättigten europäischen Markt, wo die Fluggesellschaften ohnehin mit Überkapazitäten zu kämpfen hätten, müsse sich Lufthansa nicht auch noch zusätzliche Probleme wie die Swiss einkaufen.

Auch Ulrich Horstmann von der Bayerischen Landesbank betrachtet Lufthansa nicht als Verlierer der Konsolidierungswelle, sondern rät zu Gelassenheit. Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Swiss müsse Lufthansa nicht nach neuen Partnern suchen, und er sehe auch keine Fluggesellschaft, die sich derzeit anbieten würde, sagt Horstmann: „Lufthansa kann ganz ruhig die Fehler der anderen abwarten und daraus profitieren“. Einerseits werde Oneworld zwar möglicherweise einige Passagiere der Lufthansa abziehen, andererseits aber könne Swiss ein Fass ohne Boden sein.

Für Lufthansa sei die Situation jetzt vielleicht ein „bisschen unangenehm, aber im Grunde die bessere Entscheidung“, sagt Horstmann. Swiss dagegen habe eine „Verzweiflungstat“ begangen, die Abgabe des Großteils der Start- und Landerechte in London-Heathrow an BA sei schon ein starkes Entgegenkommen. „Ich würde mich wundern, wenn das nicht die Kartellwächter auf den Plan ruft“, sagt Horstmann. Und noch härter drückt es ein anderer Branchenkenner aus, der trocken kommentiert: „Swiss verkauft gerade ihr Tafelsilber“.

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