Zusammenschluss: NYSE-Chef sieht Fusion mit Deutscher Börse skeptisch

Zusammenschluss
NYSE-Chef sieht Fusion mit Deutscher Börse skeptisch

Dürfen die beiden Handelsplätze doch noch fusionieren? Die Zeichen stehen schlecht. Jetzt äußerte sich der Chef der New Yorker Börse vor Mitarbeitern - was er zu sagen hatte, klang wenig zuversichtlich.

New YorkDie Anzeichen für ein Scheitern der Mega-Fusion zwischen Deutscher Börse und NYSE Euronext verdichten sich. Duncan Niederauer, Chef der New York Stock Exchange, rechnet nach eigenen Angaben nicht mehr damit, dass die europäischen Wettbewerbshüter dem Deal zustimmen. Das berichtet die Agentur Bloomberg unter Berufung auf ein Redemanuskript Niederauers.

Demnach sagte der Manager, er habe zwar noch keine formale Mitteilung der zuständigen Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission erhalten. "Aber alles deutet darauf hin, dass [die Behörde] vorläufig beschlossen hat, eine Ablehnung der Fusion zu empfehlen."

Niederauer und Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni wollen nun versuchen, dass Ruder mit einer Lobby-Offensive in letzter Minute herumzureißen. „In den kommenden Wochen werden wir weiterhin direkt bei verschiedenen EU-Kommissaren für unsere Sache eintreten“, so Niederauer.

Sollte die Mega-Fusion von Deutscher Börse und NYSE platzen, würde das vor allem den Frankfurter Handelsplatz schwer treffen: Nach Ansicht von Experten müsste die Deutsche Börse in den kommenden Jahren weiter kleine Brötchen backen. Andere Fusionen oder größere Zukäufe sind nicht in Sicht. Und alleine sind die Wachstumsperspektiven der Börse angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch alternative Handelsplattformen mau.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hatte den Börsenbetreibern Insidern zufolge bereits signalisiert, den neun Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber blockieren zu wollen.Dies würde aber noch nicht automatisch das endgültige Scheitern der Pläne bedeuten, da danach noch die EU-Kommission über die Fusion abstimmen muss. Dies lässt noch Raum für weitere Zugeständnisse und Nachverhandlungen.

„Wenn die EU-Kommission die Fusion am Ende blockiert, braucht die Deutsche Börse ein neues Management und eine neue Strategie“, sagt ein Frankfurter Analyst, der die Börse seit vielen Jahren kennt. „Der bisherige Plan, durch die Fusion Umsatz hinzuzugewinnen, Kosten einzusparen und dank der starken Marke neue Geschäfte zu generieren, wäre obsolet.“

Die Optionen sind allerdings begrenzt: „Kleinere Zukäufe wie die Börse in Spanien oder Betreiber in Osteuropa sind sicherlich eine Option, aber einen großen Wurf wie mit der Nyse wird es dann auf absehbare Zeit nicht geben“, sagt Equinet-Analyst Philipp Häßler. Übernahme von schnell wachsenden Betreibern in Asien oder Südamerika wäre für die Börse laut Häßler zwar interessant, aber schwer zu stemmen: „Einen Kauf der brasilianischen Bovespa könnte sich die Deutsche Börse beispielsweise eher nicht leisten.“

Scheitert der Zusammenschluss von Nyse und Deutscher Börse, wäre dies bereits der dritte geplatzte länderübergreifende Börsen-Deal innerhalb eines Jahres. Im April 2011 untersagte Australien die Übernahme der heimischen Börse ASX durch den Konkurrenten aus Singapur. Im Juni blies die London Stock Exchange den Zusammenschluss mit der kanadischen Börse TMX ab, weil es nicht genügend Unterstützung der
TMX-Aktionäre für die Pläne gab.

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