Zusammenschluss
Tüv-Konzern plant global

Die Fusion der beiden deutschen Tüv-Gesellschaften, Tüv Nord und Tüv Süd, soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Mit dem Zusammenschluss entsteht weltweit die Nummer zwei im Prüfgeschäft – eine gute Ausgangslage, um den Heimatmarkt gegen ausländische Attacken zu schützen.

MÜNCHEN. „Wir haben gemeinsam einen Grundsatzvertrag geschlossen, der Prozess ist unumkehrbar“, sagte Tüv-Süd-Chef Peter Hupfer am Montag auf der Bilanzpressekonferenz in München. Mit 18 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,8 Mrd. Euro entstünde weltweit die Nummer zwei im Prüfgeschäft. Branchenprimus ist die Schweizer SGS, die derzeitige Nummer zwei ist das Bureau Veritas aus Frankreich. Schärfster Konkurrent in Deutschland ist der Stuttgarter Dekra-Konzern.

Der Tüv Süd ist ungefähr doppelt so groß wie sein norddeutscher Fusionspartner – und doppelt so profitabel. 2006 erwirtschaftete der Münchener Prüfkonzern einen Umsatzzuwachs von 13 Prozent auf 1,16 Mrd. Euro, das Ergebnis vor Steuern stieg um 14,3 Prozent auf 126,2 Mill. Euro. Die Umsatzrendite liegt bei 9,7 Prozent, beim Tüv Nord lag sie zuletzt bei rund vier Prozent. Dennoch sollen nach den Worten Hupfers die Arbeitsplätze nach der Fusion sicher sein.

„Es wird keine größeren Synergieeffekte geben“, sagte der Tüv-Süd-Chef. Traditionell haben die Prüfvereine ihr Geschäft nach dem Regionalprinzip in Deutschland aufgestellt; „Wir kommen uns nicht ins Gehege“, betont Hupfer. Da aber große Kunden wie Post, Bahn und zunehmend auch Autohändler bundesweit auftreten, sei ein Zusammenschluss mit dem Tüv Nord sinnvoll. Hauptsitz des neuen Unternehmens soll München sein. Die Führungsfrage ist aber noch nicht geklärt. Hupfer selber geht noch in diesem Jahr in den Ruhestand.

Bei der Fusion geht es vor allem um die Sicherung des Heimatmarktes gegen ausländische Attacken. Denn im kommenden Jahr fällt das letzte große Monopol der technischen Überwachungsvereine in Deutschland. Ab 2008 dürfen auch Wettbewerber so genannte „überwachungspflichtige Industrieanlagen“ prüfen, ein Markt mit einem Volumen von einer Milliarde Euro pro Jahr. Die Betriebskontrolle von Rolltreppen, Fertigungsstraßen und Kraftwerken ist aber neben der allgemeinen Fahrzeuguntersuchung das wichtigste Standbein der Tüv-Gesellschaften. „Andere Prüforganisationen lassen sich die Chance nicht entgehen, wir sind darauf vorbereitet“, sagte Hupfer an die Adresse der Konkurrenten. Wird das Industriegeschäft geöffnet, ist einzig die Abnahme der Autoführerscheinprüfung dann noch ein Tüv-Monopol.

Neben der Sicherung des Inlandsmarktes geht es auch um die Expansion und den Ausbau des Auslandsgeschäftes. Hat der Tüv Nord einen Auslandsanteil von gerade einmal zehn Prozent, so sind es beim Tüv Süd bereits 25 Prozent. In Europa und von den EU-Beitrittskandidaten erhoffen sich die Prüfgesellschaften Wachstum durch einheitliche Zertifizierungen. So hat sich der TüV Süd gemeinsam mit lokalen Partnern das Monopol für die Fahrzeugkontrolle in der Türkei gesichert. Nach deutschem Vorbild entsteht dort ein Netz von 200 Prüfstationen von Istanbul bis an die irakische Grenze.

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