Zwei Monate im Amt
Bahn-Chef Grube: „Die Hütte brennt“

Daten- und PR-Affäre, Konjunkturkrise, Wettbewerber im Inland, hohe steuerliche Belastungen: Rüdiger Grube hat nach zwei Monaten an der Spitze der Deutschen Bahn eine ganze Reihe von Problemen ausgemacht. Sein persönliches Ziel ist es, Ruhe in das Unternehmen zu bringen und vor allem: Kosten einzusparen.

HB STUTTGART. Der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube will die Verschuldung des Staatsunternehmens deutlich senken und den Konzern von Milliardenkosten entlasten. Im Rahmen des Projekt "React" solle die Deutsche Bahn, bis 2014 Kosten in Höhe von zwei Mrd. Euro einsparen, sagte Grube am Montagabend auf einer Veranstaltung der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart. Die Bahn müsse ihre Kapitalmarktfähigkeit trotz des vorerst abgesagten Börsengangs erhalten und ihre Investitionen von zuletzt sieben Mrd. Euro durch Eigenmittel oder die Aufnahme von Fremdkapital finanzieren können. Der Schuldenstand von derzeit 15,5 Mrd. Euro solle "in den nächsten fünf Jahren" um fünf Mrd. Euro sinken und dann so hoch liegen wie derzeit das Eigenkapital.

"Die Hütte brennt", zog Grube am Montag Bilanz unter seine ersten 59 Tage an der Spitze der Bahn. Die Bahn kämpfe mit der Konjunkturkrise, Wettbewerbern im Inland und hohen steuerlichen Belastungen. Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn war über diverse Skandale gestolpert, unter anderem die Datenüberprüfung von Mitarbeitern und bezahlte PR-Maßnahmen. Der frühere Daimler-Manager Grube sagte, er stehe zu Mehdorn. Dieser habe über zehn Jahre einen guten Job gemacht. Zudem sei er von der Service-Qualität der Bahn-Beschäftigten "echt begeistert". Die Bahn werde im laufenden Jahr trotz der widrigen Wirtschaftslage nicht in die Verlustzone abrutschen, stellte der Vorstandschef in Aussicht. Oberstes Prinzip sei für ihn die Sicherheit bei der Bahn, betonte Grube. Er habe dem Aufsichtsrat in der vergangenen Woche daher vorgeschlagen, zusätzlich einen Technik-Vorstand zu berufen.

Seine persönlichen Ziele bei der Bahn seien unter anderem die Aufarbeitung der Daten- und PR-Affäre, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und Ruhe in das Unternehmen zu bringen. "Ich will, dass 240 000 Menschen Arbeit haben, wir profitabel sind und wir ein sympathisches Unternehmen sind", sagte der lange Jahre in der Luftfahrt- und Autoindustrie tätige Manager.

Am umstrittenen Bauprojekt Stuttgart 21 will Grube festhalten. Die Anbindung an die Strecke Paris-Bratislava biete der Region einen großen Mehrwert, erklärte Grube "Stuttgart wird nie die Stadt mit dem weltweit größten Hafen oder Flughafen", sagte Grube. Er kenne die politische Diskussion, sei aber zuversichtlich, in Kürze mit den Kostenstrukturen an die Öffentlichkeit gehen und grünes Licht aus der Bevölkerung bekommen zu können.

Dazu soll den Menschen in der Region das Projekt auch besser vermittelt werden. "Geben sie uns acht Wochen, dann werden wir ihnen einen "Mister Stuttgart 21" vorstellen - einen, der davon begeistert ist", sagte Grube und ergänzte mit Blick auf die Zuhörer seines Vortrags im Rahmen der Reihe "Dekra Dialog": "Wenn Lothar Späth zusagt, ist er sofort eingestellt." Der ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs konnte jedoch nicht spontan zu einer Zusage bewegt werden.

Grube will zudem das Image der Bahn aufpolieren. Es gebe eine Differenz zwischen der Leistung der Mitarbeiter und "dem, was in der Öffentlichkeit als Image der Bahn wahrgenommen wird", sagte Grube am Montag nach einem Treffen mit dem Kundenbeirat in Frankfurt. Eines seiner großen Ziele werde daher sein, "dass wir diese Differenz immer kleiner werden lasen". Der Vorstandschef warnte aber vor zu hohen Erwartungen: "Das ist nichts, was man wie mit einem Lichtschalter von links nach rechts bedienen kann, sondern dazu gehört täglicher Einsatz, tägliche Verbesserung, tägliches Engagement."

Grube hatte am 1. Mai den Vorstandsvorsitz der Bahn übernommen und zu Beginn seiner Arbeit wegen mehrerer Datenschutzaffären fünf von acht Vorstandsmitgliedern ausgetauscht. Er war zuvor Entwicklungsvorstand der Daimler AG.

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