Zweitgrößte Firmenpleite in der Schweiz
Erb-Imperium bricht zusammen

Der Winterthurer Mischkonzern Erb ist unter einer Schuldenlast von 2,5 Mrd. Schweizer Franken (1,6 Mrd. Euro) zusammengebrochen. Das bestätigte Geschäftsführer Hans Ziegler am Freitag im Schweizer Fernsehen. Damit droht der Schweiz nach der Zahlungsunfähigkeit der Airline Swissair die zweitgrößte Firmenpleite der Geschichte.

HB WINTERTHUR. Die Erb-Gruppe besteht aus vier Konzernbereichen mit insgesamt 85 Firmen. Das ursprüngliche Kerngeschäft ist der Autohandel, der in der Herfina AG zusammengeschlossen ist. Herfina ist der zweitgrößte Autoimporteur der Schweiz. Neben dem Autogeschäft ist der Kaffeehandel zweiter wichtiger Umsatzträger.

Über ihre Beteiligungstochter Uniinvest werde der Konkurs eröffnet, die übrigen Konzernbereiche gingen in die so genannte Nachlassstundung, teilte die Gruppe am Freitag mit. Damit wird die Zahlungsunfähigkeit (Insolvenz) festgestellt und das Restvermögen begutachtet. Hauptgrund für den Zusammenbruch sei der Wertberichtigungsbedarf bei Uniinvest, der sich auf 2,5 Mrd. Franken belaufe. Betroffen sind mehr als 80 Banken, darunter auch einige deutsche wie die Hypo-Vereinsbank, die Commerzbank, die WestLB und die BayernLB. Die Gesellschaften des Familienunternehmens werden größtenteils einzeln geführt, so dass nicht die Erb-Gruppe sondern die Unternehmen finanziert wurden. „Die Banken waren nicht in Kenntnis der Gesamtsituation“, sagte Ziegler.

In der Konzerntochter Unifina sind die Finanzdienstleistungen und die eigentliche Verlustquelle, das Immobiliengeschäft mit der 49,8 %-Beteiligung am Sanierungsfall der Kölner CBB-Holding, untergebracht. Ziegler war erst Ende Oktober von den beiden Inhabern Rolf und Christian Erb von auswärts als Konzernchef und Restrukturierungsmanager geholt worden. Er sollte die „anstehenden Schwierigkeiten bei den Engagements im Immobilienbereich“ lösen und die Neustrukturierung des ganzen Konglomerats vornehmen. „Die Sache war aber aussichtslos“, sagte Ziegler jetzt.

Der Konzern mit Sitz in Winterthur bei Zürich beschäftigt etwa 4 900 Mitarbeiter, davon 2 500 in der Schweiz. Die Familiengesellschaft hat bisher keine Zahlen zum Geschäftsverlauf bekannt gegeben. Der Umsatz wird auf rund 4,5 Mrd. Franken geschätzt.

Die größte Firmenpleite der Schweiz war die der Swissair. Die Traditionsgesellschaft brach in Sommer 2001 nach einer gescheiterten Beteiligungs-Strategie unter einem Schuldenberg von 17 Mrd. Franken zusammen.

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