Zweitgrößter Buchhändler: Kirchen läuten Weltbilds letzte Stunde ein

Zweitgrößter Buchhändler
Kirchen läuten Weltbilds letzte Stunde ein

Die katholische Kirche weigert sich, weiter Geld in die Rettung ihres Buchhändlers Weltbild zu stecken. Nun muss der Buchhändler in die Insolvenz. 6300 Mitarbeiter sind betroffen.
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DüsseldorfDer angeschlagene katholische Weltbild-Verlag hat am Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen in Augsburg mit. Auslöser sei vor allem ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Auch angesichts der in den kommenden drei Jahren erwarteten niedrigeren Erlöse habe sich der Finanzierungsbedarf für die Sanierung des Unternehmens verdoppelt. „Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung herausgestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird“, hieß es am Freitag in der Mitteilung.

Vertreter der katholischen Kirche, der der Verlag gehört, hatten sich nach Informationen von Handelsblatt Online bereits in der Nacht zum Freitag nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages verständigen können. Deswegen steht jetzt der Weg zum Amtsrichter am Sitz der Verlagsgruppe in Augsburg an. Insolvenzverwalter wird die Augsburger Kanzlei Scheider& Geiwitz und Partner. Die Insolvenzspezialisten haben bereits die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker abgewickelt.

Die Insolvenz betreffe nur die Verlagsgruppe, nicht die Filialen und die Gesellschaften in Österreich und der Schweiz. Dieses Geschäft betreibt Weltbild in einer gemeinsamen Tochterfirma mit dem Buchhändler Hugendubel. Ebenfalls nicht betroffen sei der Internetbuchhändler bücher.de. Grund für die desolate Lage des Verlages, für den noch immer rund 6300 Mitarbeiter arbeiten und der im Jahr 2012 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftete, ist die schleppende Umstellung auf ein neues Geschäftsmodell. Gegen Amazon als den größten Online-Händler in Deutschland hat Weltbild es schwer.

Die Augsburger haben 300 Geschäfte unter eigenem Namen in Einkaufsstraßen, von denen viele rote Zahlen schreiben. Außerdem arbeiten sie wie ein Versandhaus. Das heißt: Sie erstellen einen Katalog, versenden ihn und warten dann auf die Bestellungen der Kunden. Der Prozess ist aufwendig und produziert Kosten, die reine Internethändler wie Amazon nicht haben. Schon Versandhäuser wie Quelle und Neckermann sind an diesen Strukturen zu Grunde gegangen.

Dazu kommen hausgemachte Probleme, die vor allem an Management und Eigentümern des Verlags liegen. Der seit Jahrzehnten für das Haus arbeitende Weltbild-Chef Carl Halff hat aus dem Buchhändler einen Allround-Anbieter gemacht. LED-Echtwachskerzen, Schminkutensilien, Adventskalender – all das sollte die Abhängigkeit vom margenschwachen Buchhandel mindern. Das Sortiment reichte vom Werkzeug-Koffer bis zur Unterwäsche. Zusätzlich ging Halff auf Einkaufstour: Als dicksten Fisch zog er 2006 Hugendubel an Land. Der Buchhändler ist mit der Weltbild-Gruppe in der Finanzholding Deutsche Buch Handels GmbH zusammengeschlossen, jede Seite hält 50 Prozent. Sie betreiben gemeinsam das Filialnetz DBH. Hugendubel bezeichnete die Insolvenz des Partners als „überraschend“.

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  • @Fat_bob_ger

    Ja so ein Pech heute aber auch für Sie. ICH BIN KAUFMANN :-)

    Ein Unternehmen geht nicht von heute auf morgen pleite!! Genau wie eine Ehe nicht von heute auf morgen zerbricht! Hier wurde jahrelang entweder bewusst verschleiert und betrogen, Mißmanagement betrieben! Oder die Kriche kann nicht rechnen. Könnte so sein...da Gott ja alles regelt, gelle :)

  • @freidenker, ich wünsche ihnen druchhaltevermögen den leuten den zusammenhang zw dem u.a. geldsystem und den kuriosen vorkommnissen in deutschland beizubringen. Denn ich denke es ist zu einfach um das ein michel es versteht. Und andererseits begreifen große teile der bevölkerung nicht mal die zinsrechnung in der 1. ebene.

  • Wenn man mal von 200 Mio ausgeht sind das 33.000 EUR pro Mitarbeiter....ich denke bei solchen Zahlen is nix mehr zu retten; klar wenn die Perspektive stimmen würde

    Aber in der Verlagsbranche sind die Schwierigkeiten der Augsburger die Schwierigkeiten aller anderen, die kämpfen mit den gleichen Problemen, so einen Turnaround mit dem Tanker Weltbild kann man nicht schaffen ohne die Firma abzureißen und von Grund auf neu zu bauen.

    Da is nix zu retten, da kann man auch der reichen Kirche nur sehr begrenzte Vorwürfe machen aber jeder der von der Sache nix versteht versteht halt immer noch was vom Vorwürfe machen. Wenn hier jemand Schuld hat, dann das Managemt - ein uralter seit Jahrzehnten agierender Senior-Fürst, klar was hat so einer mit Internet am Hut. Nix. Ende. Pleite. Aus.

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