Zwischen Luxus- und Billig-Klamotten Wer in der Modebranche untergeht

Die Kluft zwischen Topfirmen und dem Rest der Modebranche wächst. Luxus- und Discountkleidung boomen weiterhin. Aber für viele bekannte Marken in der Mitte des Marktes wird es laut einer Studie immer enger.
Update: 30.11.2017 - 12:25 Uhr Kommentieren
Im vergangenen Jahr konnten starke Modeunternehmen ihren Erfolg noch einmal kräftig ausbauen. Quelle: Bloomberg
Luxusmode von LVMH in Rom

Im vergangenen Jahr konnten starke Modeunternehmen ihren Erfolg noch einmal kräftig ausbauen.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfDie Modebranche ist gepalten: Sowohl große Luxusmodefirmen wie LVMH und Hermès als auch Discounter wie Primark wachsen und wachsen. Andere bekannte Unternehmen wie Laurèl oder Basler sind abgestürzt. „Der Abstand zwischen Gewinnern und Verlierern in der Modebranche wird immer größer“, sagt Achim Berg, Experte für die Mode- und Luxusbranche bei McKinsey in Frankfurt.

Er liefert dafür Zahlen. „20 Prozent der Modefirmen tragen 144 Prozent zum wirtschaftlichen Mehrwert der Branche bei“, sagt Berg. „Der größte Teil der Unternehmen schafft gerade einmal drei Prozent bei und die unteren 20 Prozent des Marktes zerstören 47 Prozent dieses Wertes.“ Zu den Verlierern gehören demnach Marken wie Esprit, Abercrombie & Fitch und die Edelschuhmarke Jimmy Choo.

Die Zahlen beziehen sich auf den sogenannten McKinsey Global Fashion Index. Darin bewertet die Unternehmensberatung 500 Modefirmen nach Kriterien wie der Entwicklung von Umsatz und operativem Ergebnis. Zu den Top-Unternehmen der Branche, die fast den gesamten Wertzuwachs der Branche erzielen, gehören Konzerne wie Richemont, Nike, LVMH, aber auch H&M und Michael Kors.

Alleine im vergangenen Jahr konnten starke Modeunternehmen ihren Erfolg noch einmal kräftig ausbauen. Das geht aus der aktuellen Studie „Der Zustand der Modebranche 2018“ von McKinsey und Business of Fashion hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Sie tragen dazu bei, dass die Modebranche 2018 wieder deutlich stärker wächst als in diesem Jahr, in dem der Umsatz um 2,5 bis 3,5 Prozent auf 2,5 Billionen Dollar stieg. Berg rechnet mit einem Umsatzplus von 3,5 bis 4,5 Prozent. Im vergangenen Jahr wuchs sie nur um magere 1,5 Prozent.

Doch für viele Modefirmen wird das Geschäft immer schwieriger. Denn sie müssen einerseits in die Verzahnung ihrer stationären Läden mit dem Onlinegeschäft investieren. Andererseits müssen sie die Läden und Verkaufsflächen bei ihren Handelspartnern aufmöbeln, um mehr Kunden zu locken.

Berg rechnet denn auch damit, dass nächstes Jahr noch einige größere Modefirmen in Schwierigkeiten geraten werden. „Auch für einige deutsche Mittelständler dürfte es eng werden“, erwartet er. Denn das Wachstum findet weniger in Europa, sondern weit weg in China und Indien statt.

„2018 wird es tektonische Verschiebungen in der Modeindustrie geben“, sagt Imran Amed, Gründer und Chefredakteur des Branchendienstes „Business of Fashion“ (BoF). „Wir erwarten, dass erstmals mehr als die Hälfte der Umsätze mit Kleidung und Schuhen außerhalb Europas und Nordamerikas erwirtschaftet wird.“ Dort rechnet er mit einem Umsatzplus von 6,5 bis 7,6 Prozent, während das Geschäft in Westeuropa nur um magere zwei bis drei Prozent zulegen dürfte.

In Asien tun sich aber viele deutsche Mittelständler schwer, weil sie nicht über die finanziellen Möglichkeiten großer Konzerne verfügen. Deshalb versuchen es Modefirmen wie Marc O‘Polo mit Partnern. Der neue Chef des Unternehmens aus Stephanskirchen südöstlich von München, Dieter Holzer, hofft auf den Franchisepartner Shanghai Senrui Garment. Mit ihm will der große Mittelständler die Zahl der Läden in den nächsten fünf Jahren kräftig ausbauen.

Das sind die Hauptstädte des Luxus
Die Hauptstädte des Luxus
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Gerade für Luxus-Shopper aus den USA und noch mehr aus China sind die Millionenstädte in Europa derzeit besonders attraktiv – für sie ist der Wechselkurs sehr günstig. Das zeigt eine Studie der Beratungsfirma Bain & Company und des italienischen Luxusgüterverbands Fondazione Altagamma. Diese Städte sind die Hauptstädte des Luxus:

Platz 10: Moskau
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Trotz Wirtschaftskrise in Russland und der westlichen Sanktionen schafft es Moskau auf Platz zehn der Luxushauptstädte. Allerdings ging der Umsatz der Luxusbranche 2015 in lokaler Währung um zwei Prozent zurück. Hier sind Stücke der russischen Designer Anna Yefremova und Ivan Yershov in ihrem Moskauer Laden zu sehen – mit Putin-Aufdruck.

Platz 9: Dubai
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Dubai, die Stadt aus der Golfregion mit den vielen Superlativen, kommt dieses Jahr schon auf einen Luxusumsatz von drei Milliarden Euro. Sie profitiert von der großen Zahl an Touristen und den vielen Flugreisenden, die im Drehkreuz Dubai umsteigen und die Stadt zu einem Einkauf in den Shoppingmalls nutzen. Hier zu sehen ist die Vogue Fashion Dubai Experience.

Platz 8: München
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München ist die deutsche Stadt mit der größten Dichte an Luxusmarken. Sie konzentrieren sich alle auf der Maximilianstraße und den umliegenden Einkaufsstraßen. München erzielt dieses Jahr einen Luxusumsatz von vier Milliarden Euro. Damit liegt die bayerische Hauptstadt vor den anderen heimischen Zielen für Luxus-Einkäufer, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Berlin.

Platz 7: Mailand
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Die italienische Wirtschaftsmetropole Mailand ist nach Paris und London die drittgrößte Luxus-Stadt in Europa. Die Stadt, in der Konzernzentralen von Prada über Armani bis Dolce & Gabbana sitzen, setzt in diesem Jahr fünf Milliarden Euro mit teurer Mode & Co. um.

Platz 6: Hongkong
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Eine Macht im Geschäft mit Feinem und Teurem für den persönlichen Bedarf ist auch Hongkong. Die ehemalige Kronkolonie Großbritanniens schafft mit 6,8 Milliarden Euro deutlich mehr als die europäische Modemetropole Mailand.

Platz 5: Seoul
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Die südkoreanische Hauptstadt Seoul kommt auf einen Umsatz von acht Milliarden Euro. Der Luxusumsatz des ganzen Landes wuchs in diesem Jahr immerhin in lokaler Währung um vier Prozent.

Nicht nur die fehlende Finanzkraft macht vielen im Markt das Leben schwer. Vor allem Unternehmen wie Esprit oder S.Oliver müssen sich gegen die Billiganbieter abgrenzen. „Marken in der Mitte des Marktes haben es immer schwerer, sich gegenüber den Segmenten erschwinglicher Luxus und Luxus einerseits sowie den Discount-Filialisten zu behaupten“, sagt Achim Berg von McKinsey. Das mittlere Preissegment wird im kommenden Jahr nur um zwei bis drei Prozent wachsen, während Luxus- sowie Discountmode voraussichtlich um vier bis fünf Prozent zulegen wird, also um fast doppelt so viel.

S.Oliver hofft darauf, dass es ab Januar dem neuen CEO Gernot Lenz, der zuletzt für Tommy Hilfiger arbeitete, gelingen wird, das Unternehmen durch die schwierigen Zeiten zu führen. S.Oliver-Gründer und -Inhaber Bernd Freier lobt denn auch vor allem dessen „umfangreiche Erfahrung in Führungspositionen großer internationaler Modeunternehmen“.

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