Zwischen Luxus- und Billig-Klamotten
Wer in der Modebranche untergeht

Die Kluft zwischen Topfirmen und dem Rest der Modebranche wächst. Luxus- und Discountkleidung boomen weiterhin. Aber für viele bekannte Marken in der Mitte des Marktes wird es laut einer Studie immer enger.
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DüsseldorfDie Modebranche ist gepalten: Sowohl große Luxusmodefirmen wie LVMH und Hermès als auch Discounter wie Primark wachsen und wachsen. Andere bekannte Unternehmen wie Laurèl oder Basler sind abgestürzt. „Der Abstand zwischen Gewinnern und Verlierern in der Modebranche wird immer größer“, sagt Achim Berg, Experte für die Mode- und Luxusbranche bei McKinsey in Frankfurt.

Er liefert dafür Zahlen. „20 Prozent der Modefirmen tragen 144 Prozent zum wirtschaftlichen Mehrwert der Branche bei“, sagt Berg. „Der größte Teil der Unternehmen schafft gerade einmal drei Prozent bei und die unteren 20 Prozent des Marktes zerstören 47 Prozent dieses Wertes.“ Zu den Verlierern gehören demnach Marken wie Esprit, Abercrombie & Fitch und die Edelschuhmarke Jimmy Choo.

Die Zahlen beziehen sich auf den sogenannten McKinsey Global Fashion Index. Darin bewertet die Unternehmensberatung 500 Modefirmen nach Kriterien wie der Entwicklung von Umsatz und operativem Ergebnis. Zu den Top-Unternehmen der Branche, die fast den gesamten Wertzuwachs der Branche erzielen, gehören Konzerne wie Richemont, Nike, LVMH, aber auch H&M und Michael Kors.

Alleine im vergangenen Jahr konnten starke Modeunternehmen ihren Erfolg noch einmal kräftig ausbauen. Das geht aus der aktuellen Studie „Der Zustand der Modebranche 2018“ von McKinsey und Business of Fashion hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Sie tragen dazu bei, dass die Modebranche 2018 wieder deutlich stärker wächst als in diesem Jahr, in dem der Umsatz um 2,5 bis 3,5 Prozent auf 2,5 Billionen Dollar stieg. Berg rechnet mit einem Umsatzplus von 3,5 bis 4,5 Prozent. Im vergangenen Jahr wuchs sie nur um magere 1,5 Prozent.

Doch für viele Modefirmen wird das Geschäft immer schwieriger. Denn sie müssen einerseits in die Verzahnung ihrer stationären Läden mit dem Onlinegeschäft investieren. Andererseits müssen sie die Läden und Verkaufsflächen bei ihren Handelspartnern aufmöbeln, um mehr Kunden zu locken.

Berg rechnet denn auch damit, dass nächstes Jahr noch einige größere Modefirmen in Schwierigkeiten geraten werden. „Auch für einige deutsche Mittelständler dürfte es eng werden“, erwartet er. Denn das Wachstum findet weniger in Europa, sondern weit weg in China und Indien statt.

„2018 wird es tektonische Verschiebungen in der Modeindustrie geben“, sagt Imran Amed, Gründer und Chefredakteur des Branchendienstes „Business of Fashion“ (BoF). „Wir erwarten, dass erstmals mehr als die Hälfte der Umsätze mit Kleidung und Schuhen außerhalb Europas und Nordamerikas erwirtschaftet wird.“ Dort rechnet er mit einem Umsatzplus von 6,5 bis 7,6 Prozent, während das Geschäft in Westeuropa nur um magere zwei bis drei Prozent zulegen dürfte.

In Asien tun sich aber viele deutsche Mittelständler schwer, weil sie nicht über die finanziellen Möglichkeiten großer Konzerne verfügen. Deshalb versuchen es Modefirmen wie Marc O‘Polo mit Partnern. Der neue Chef des Unternehmens aus Stephanskirchen südöstlich von München, Dieter Holzer, hofft auf den Franchisepartner Shanghai Senrui Garment. Mit ihm will der große Mittelständler die Zahl der Läden in den nächsten fünf Jahren kräftig ausbauen.

Nicht nur die fehlende Finanzkraft macht vielen im Markt das Leben schwer. Vor allem Unternehmen wie Esprit oder S.Oliver müssen sich gegen die Billiganbieter abgrenzen. „Marken in der Mitte des Marktes haben es immer schwerer, sich gegenüber den Segmenten erschwinglicher Luxus und Luxus einerseits sowie den Discount-Filialisten zu behaupten“, sagt Achim Berg von McKinsey. Das mittlere Preissegment wird im kommenden Jahr nur um zwei bis drei Prozent wachsen, während Luxus- sowie Discountmode voraussichtlich um vier bis fünf Prozent zulegen wird, also um fast doppelt so viel.

S.Oliver hofft darauf, dass es ab Januar dem neuen CEO Gernot Lenz, der zuletzt für Tommy Hilfiger arbeitete, gelingen wird, das Unternehmen durch die schwierigen Zeiten zu führen. S.Oliver-Gründer und -Inhaber Bernd Freier lobt denn auch vor allem dessen „umfangreiche Erfahrung in Führungspositionen großer internationaler Modeunternehmen“.

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