Zwischenlandung Air France bittet Fluggäste um Spritgeld

In Syrien herrscht Bürgerkrieg. Bei einem ungeplanten Zwischenstopp in der Hauptstadt Damaskus bittet die Fluglinie Air France ihre Passagiere um Bargeld - für Kerosin zum Weiterfliegen.
Update: 17.08.2012 - 16:12 Uhr 13 Kommentare
Beinahe hätte die Passagiere das Kerosin für den Weiterflug bar bezahlen müssen. Quelle: AFP

Beinahe hätte die Passagiere das Kerosin für den Weiterflug bar bezahlen müssen.

(Foto: AFP)

DamaskusEine ungeplante Zwischenlandung in Syrien dürfte bei den Passagieren des Air France Linienflugs 562 angesichts des dortigen Bürgerkriegs schon für ein mulmiges Gefühl gesorgt haben. Doch dann sollten sie auch noch ihre Brieftaschen öffnen und nachschauen, ob das Geld für Extra-Sprit zum Weiterfliegen reicht. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist am Mittwoch tatsächlich passiert, wie ein Sprecher von Air France am Freitag zugeben musste.

Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Paris nach Beirut, als es wegen Spannungen nahe des Flughafens der libanesischen Hauptstadt umgeleitet werden musste. Das Kerosin ging zur Neige - also blieb nur die Landung in Syriens Hauptstadt Damaskus. Wegen der Sanktionen gegen das Land, die es vom internationalen Bankverkehr abschneiden, ist das Bezahlen dort aber alles andere als einfach. Die Syrer akzeptieren keine Kreditkarten.

Aufgrund der "sehr ungewöhnlichen Umstände" und "nur als "Vorsichtsmaßnahme" habe die Besatzung die Passagiere gebeten, das mitgeführte Bargeld zu zählen, sagte der Sprecher. Air France habe dann aber einen anderen Weg gefunden, für die Tankfüllung zu bezahlen. Solch ein Vorfall sei der Fluglinie noch nie passiert, fügte er hinzu und entschuldigte sich für Unannehmlichkeiten.

Am Donnerstag konnte das Flugzeug dann endlich tagsüber in Beirut landen, nachdem es von Damaskus zunächst Zypern angesteuert hatte, um dort über Nacht Station zu machen.

Fraglich ist allerdings, ob das Geld der Gäste gereicht hätte, um wirklich Weiterfliegen zu können. Der Tank eines großen Passagierflugzeuges kann gut 216.000 Liter Kerosin fassen - einmal Volltanken kann dann locker - je nach aktuellem Preis - über 200.000 Euro kosten. Es müssten also schon viele Passagiere aus der ersten Klasse in ihre Brieftasche schauen, damit die Maschine überhaupt abheben kann.

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13 Kommentare zu "Zwischenlandung in Syrien: Air France bittet Fluggäste um Spritgeld"

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  • Einmal volltanken kostet 200.000 EUR. Und das soll in Bar mitgeführt werden? Am besten noch parallel in Dollar, Euro, Yuan, Goldmünzen usw.

    Wenn man keine Ahnung hat – einfach mal die F. halten.

  • Statt ausreichend Sprit zu tanken um einen eventuellen alternativen Flugplatz erreichen zu können, macht Ryanair systematisch Notlandung gültig. Zum Nachteil anderer Airlines. Zur Unsicherheit von Ryanair. Viel, viel schlimmer als das momentane "Cash-on-board" problem von AF. Flugkapitäne reisen nicht mit Riesenbarbeträgen in ihren Taschen. Verweigert ein Lieferant die Annahme der Kreditkarte, bleibt nichts übrig als Einsammeln.

  • Ja, das ist eben Air France. Ganz ehrlich: Lieber nachzahlen als bei hochgeklappter Armlehne nur einen hablen Platz zu haben, weil ein übergewichtiger Passagier mehr Platz für sich in anspruch nimmt. Bei einem langsteckenflug schmerz das ganz schön am Rücken. Da helfen auch keine 2000 Bonusmeilen als Schmerzensgeld.

    Und es ist immer noch besser die Brieftasche zu öffnen als das Handy, um den Notarzt zu rufen, wie es laut französischen Medienberichten einem Passagier auf dem Flug nach Bordaux ergangen sein soll nachdem er den Café von Air France genossen hat!

  • AF - Flugpreise: auswürfeln:
    Auch ein Geschäftsmodell.
    Da werde ich stets am Hangar noch einen Flieger ausmachen können, der mich nicht im Flug auf geänderte Geschäftsbedingungen aufmerksam machen wird. Sicher ist eines: mit dem Privatflieger werde ich sicherer rauskommen als mit AF, die mir auf dem Flug vielleicht auch noch einen Fallschirm anlegen werden...

  • AF "bittet" nicht: AF erpresst.
    Einen Piloten nicht mit Geldmitteln auszurüsten, zumindest über entsprechende Kommunikationsmittel um die zahlende Kundschaft nicht auch noch mit dem Klingelbeutel anzugehen:
    Sollte das stimmen, wäre noch mal über das Board von AF zu reden.
    Oder auch nicht mehr.
    Eine Panne?
    Okay.
    Vorbereitung?: Carrierwechsel.

  • Ich gebe lef recht, das wirklich merkwürdige ist bei dieser Geschichte doch nicht, dass die Passagiere selbst fürs Tanken zahlen sollten (was natürlich schon skuril genug ist)sondern dass man sich entscheidet wegen einer Demo in Beirut nicht dort zu landen, weil der Weg vom Flughafen in die Innenstadt für die Passagiere angeblich nicht sicher sei... (so berichten es jedenfalls frz. Medien)
    Und stattdessen in DAMASKUS! landet um dann aber dort nur aufzutanken (was ja auch in Beirut gegangen wäre)
    Und schließlich nach Zypern zurück zu fliegen was doch auch nur 200 oder 300 km von Beirut entfernt ist und eigentlich schon genau auf dem Weg zwischen Paris und Beirut lag. ÄH...wer bei AF hat sich DAS denn ausgedacht?!

  • Mal genau hingesehen:
    Von Beirut nach Amman sind es nur wenige Kilometer (230) !
    Wieso musste der Flieger zum Nachtanken zwischenlanden?
    Hat die AF noch weniger Kerosin mit, als Ryan Air????

  • Es gab schon mal so einen Vorfall bei einer Fluglinie, wo die Gaeste wirklich zur Kasse gebeten wurden (kenne nur einen englischen Link):

    http://newsfeed.time.com/2011/11/18/airline-passengers-forced-to-pay-extra-37000-in-cash-for-fuel-costs/

  • Guten Tag,... Nun ja; .... Ich bin ein paar mal mit Air France Maschinen aus recht unruhigen Orten ausgeflogen worden. Glauben Sie mir;.... Ich war immer heilfroh wenn Ich die Air France ausrollen sah. Ich haette ohne zu zoegern meinen Beitrag am Kirosin fuer den Vogel der Grande Nation entrichtet,... nur um aus dem Scheisskaff noch heil heraus zu kommen. Also nichts gegen Air France. Besten Dank

  • Schwachsinn! Warum sollten die Syrer das geringste Entgegenkommen zeigen gegenüber Nationen, die sie boykottieren. Recht haben sie, wenn sie bares verlangen.

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