Zypern soll helfen, doch die EU fordert die Vorlage eines Sanierungskonzepts
Cyprus Airways geht das Geld aus

Nach Alitalia und der griechischen Olympic Airlines befindet sich mit Cyprus Airways eine weitere europäische Staats-Fluglinie im finanziellen Sturzflug. Die zu knapp 70 Prozent staatlich kontrollierte Gesellschaft aus Zypern braucht dringend eine Kapitalzufuhr, um über den Winter zu kommen.

HB/ghoe/ebe NIKOSIA. „Wenn weiterhin im gegenwärtigen Tempo Geld verbrannt wird, dürfte die Liquidität der Airline noch vor dem Jahresende 2005 erschöpft sein“, heißt es in einem Sanierungsplan der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Frixos Savvides, stellvertretender Vorstandschef der Airline, bestätigte dem Handelsblatt: „Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten auf keiner Route Gewinn gemacht. Selbst wenn wir auf unseren Rennstrecken nach Athen und London mit einer Auslastung von 100 Prozent fliegen, verlieren wir Geld.“

Der Rettungsplan für Cyprus Airways sieht eine sofortige Finanzspritze von 101,5 Mill. Euro vor, er muss jedoch mit Blick auf die Beihilfe-Regeln der EU in Brüssel abgesegnet werden. Die Kommission hat bereits angekündigt, die Genehmigung der Staatshilfe von einem Sanierungsplan abhängig zu machen, das der Airline-Vorstand gemeinsam mit Booz Allen Hamilton ausgearbeitet hat: Demnach muss Cyprus Airways die Belegschaft von derzeit 1832 Mitarbeitern um knapp 20 Prozent verringern, die Gehälter der verbleibenden Beschäftigten kürzen und ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Mit diesen und anderen Sparmaßnahmen will die Fluglinie ihre Kosten um jährlich 35 Mill. Euro drücken.

Das 90 Seiten dicke Dokument von Booz Allen Hamilton zeichnet ein düsteres Bild der Lage des Unternehmens: 2004 habe die Fluglinie einen Verlust von 58,6 Mill. Euro gemacht, heißt es in dem Bericht. Im ersten Halbjahr 2005 kamen demnach weitere 36 Mill. Euro Verlust hinzu. Das Grundproblem sei, dass Cyprus Airways mit den Kosten eines Netzwerk-Carriers operiere, die Erlöse aber auf das Niveau der Billigfluggesellschaften gefallen seien, analysiert die Studie. Verschärft wurde die Situation der Fluggesellschaft durch den EU-Beitritt Zyperns 2004: die damit fällige Liberalisierung des Luftverkehrs bedeutete für Cyprus Airways verschärften Wettbewerb und eine Erosion der Ticketpreise.

Die geplanten Sparmaßnahmen stoßen auf den Widerstand der Gewerkschaften. Die zyprische Pilotenvereinigung Pasipy lehnt das Konzept ab; ebenso die Gewerkschaft Cynika, die größte Arbeitnehmerorganisation der Fluggesellschaft.

Der Rettungsplan soll der EU-Kommission bis spätestens 2. November vorgelegt werden. Dort stapeln sich allmählich die Sanierungskonzepte staatlich unterstützter Fluglinien. Während die EU eine branchenweit höchst umstrittene Kapitalerhöhung für Alitalia über 1,2 Mrd. Euro abgesegnet hat, kämpft die griechische Olympic Airlines nach diversen EU-Verfahren seit Wochen gegen die drohende Liquidation. Die EU-Kommission verlangt die Rückzahlung unerlaubter Staatshilfen über 150 Mill. Euro – ein Betrag, den die trudelnde Fluglinie nicht mehr aufbringen kann.

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