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15.01.2009 
Privatbanken

Ackermanns Vabanquespiel

von Oliver Stock

Beim Blick in die Zukunft dürfte sich Deutsche-Bank-Chef Ackermann Sorgen machen. Foto: apLupe

Beim Blick in die Zukunft dürfte sich Deutsche-Bank-Chef Ackermann Sorgen machen. Foto: ap

Die gute Nachricht ist, dass Josef Ackermann unser Geld nicht will. Er hat seinen Laden immerhin so weit im Griff, dass die Deutsche Bank sich durchlaviert, ohne den Steuerzahler anzupumpen. Geholfen haben natürlich auch die neuen Konditionen für den Postbank-Deal. Aus der befristeten Beteiligung der Post an der Deutschen Bank allerdings eine Beteiligung des Staates zu konstruieren, die gar mit der an der Commerzbank vergleichbar wäre, ist sehr weit hergeholt.

Die wirklich schlechten Nachrichten lauten anders: Der Milliardenverlust des deutschen Branchenprimus übertrifft die schlimmsten Befürchtungen. Die Deutsche Bank konnte deshalb den Kauf der Postbank zu den ursprünglich vereinbarten Konditionen nicht mehr stemmen. Die eigenen Risikopositionen haben sich noch immer nicht wirklich verringert, und das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Deutschen Bank versiegt angesichts der quartalsweise verschobenen Erholung wie ein Rinnsal im Wüstensand. Vor diesem Hintergrund geht es für Ackermann in den nächsten drei Monaten um alles oder nichts. Alternativen hat sich der Deutsche-Bank-Chef selbst verbaut.

Aus Sicht des Geldhauses hat er sich völlig konsequent gegen den Einstieg des Staates gewehrt. Schließlich mögen dessen Hilfen attraktiv sein für eine Bank, der nichts anderes mehr übrig bleibt. Für eine gute Bank aber bergen sie mehr Nach- als Vorteile: Die Begrenzung der Managergehälter kann kein Manager wirklich begrüßen.

Gedeckelte Dividenden machen es schwer, Eigenkapital am Markt zu beschaffen, und vor allem lässt der mögliche Eingriff des Staates in die Geschäftstätigkeit jedem Chef einer gesunden Bank die Haare zu Berge stehen. Dass Ackermann politisch mit der demonstrativen Ablehnung von Staatshilfe ins Fettnäpfchen getreten ist und sein Verhalten die Stabilität des Finanzsystems insgesamt keinen Schritt weitergebracht hat, steht auf einem anderen Blatt.

Unterm Strich bleibt die Tatsache: Ackermann hat sich mit seinem "Ich würde mich schämen" so gegen jedes Schlüpfen unter den Rettungsschirm festgelegt, dass ein Abrücken davon ein nicht zu ertragender Gesichtsverlust wäre. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als in den eigenen Werkzeugkasten zu greifen.

Das wichtigste Instrument, das er vor vier Monaten darin gefunden hat, ist der Kauf der Postbank. Der bringt ihm strategische Entlastung, weil damit das gescholtene Investment-Banking auf Sicht an Stellenwert verliert. Als sich die Krise zuspitzte, genügte jedoch allein die Kaufabsicht nicht mehr. Ackermann musste erneut im Werkzeugkasten wühlen. Herausgekommen ist diesmal die Änderung der Konditionen des Kaufs. Das verschafft ihm zusätzlich Luft, um das Kernkapital der Bank über Wasser zu halten.

Damit allerdings hat er seinen Instrumentenkoffer nun geleert. Wenn das nicht reicht, damit die Bank sich in den nächsten drei Monaten am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann, wird sie doch noch den Staat um Hilfe bitten müssen. Für die Deutsche Bank wäre das nicht das Ende. Und der Steuerzahler ist inzwischen Kummer gewohnt. Für Ackermann allerdings gäbe es dann möglicherweise nur noch einen Posten als Pensionär in der Schweiz.

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