Eines muss man Daimler
-Chef Zetsche lassen: Er reagiert schnell und konsequent. Er verzichtet auf bilanzielle Tricks, um das düsterer werdende Bild der Autoindustrie aufzuhellen. Dass er mit seiner Gewinnwarnung den Aktienkurs gefährlich nach unten treibt, kümmert ihn wenig.
Am Donnerstag brach der Aktienkurs von Daimler
weitere zehn Prozent ein. In neun Monaten hat die Daimler
-Aktie über die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Gerade einmal 37 Milliarden Euro ist der Konzern noch an der Börse wert. Daimler
ist für eine feindliche Übernahme à la Schaeffler bei Conti
derzeit angreifbarer denn je. Da braucht es schon gute Nerven oder viel Zweckoptimismus. Der niedrige Kurs sei doch gut für das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm des Konzerns, scherzt Zetsche.
Aber den erst vor wenigen Monaten wieder genesenen Autokonzern holt die Realität schneller ein, als ihm lieb sein kann. Dollar-Kurs, Konjunkturflaute und hohe Rohstoffpreise zwingen Daimler
die selbst hochgesteckten Gewinnerwartungen um eine Milliarde Euro zu verringern. Eine Rendite von acht Prozent ist in der derzeitigen Marktsituation sicher gut. Aber Daimler
wollte zehn Prozent. Die Börse reagiert enttäuscht. Und vom neu gewonnenen Selbstbewusstsein nach der Trennung von Chrysler ist nicht mehr viel übrig.
Leider haben nicht nur die Stuttgarter Probleme. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch hat sich jüngst bereits auf den drohenden Abwärtstrend eingestellt und die Produktion runtergefahren. Das für nächstes Jahr erwartete schlechte Wetter am Autohimmel ist offenbar schon früher da. Einerseits neigt Zetsche dazu, bei schlechten Nachrichten zu übertreiben, um später leichter positiv überraschen zu können. Andererseits kann auch er Befürchtungen nicht ausräumen, dass alles noch schlimmer wird.


