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11.07.2008 
Air Berlin und Condor

Aus der Coup

von Tanja Kewes

Air Berlin-Chef Joachim Hunold hat die Reissleine gezogen. Dass er den Antrag für die Freigabe der Fusion zwischen seiner Air Berlin und dem Ferienflieger Condor beim Kartellamt jetzt zurückgezogen hat, war angesichts des Rekordölpreises und der finanziellen Schieflage von Air Berlin dringend notwendig und richtig. Die Übernahme der Condor hätte sich Air Berlin zum derzeitigen Zeitpunkt schlicht nicht mehr leisten können. Bei Vertragsabschluss im September 2007 hätte Air Berlin bei einem Aktienkurs von rund 14 Euro und einer Marktkapitalisierung von rund 900 Mill. Euro den Kaufpreis von 500 Millionen Euro mit 30 Prozent eigener Aktien und 120 Millionen Euro zahlen können. Beim derzeitigen Aktienkurs von rund vier Euro und einer Marktkapitalisierung von nur noch rund 240 Millionen Euro müsste Air Berlin viel mehr nachschießen.

Der in den vergangenen Jahren durch operatives Wachstum und Übernahmen stete Steigflug der Air Berlin war schon in den vergangenen Monaten gestoppt worden. Durch Schwierigkeiten bei der Integration des Ferienfliegers LTU und des Rekordölpreises hatte Air Berlin die Gewinnprognose für das laufende Jahr mehrfach korrigieren müssen. Um die Kostenexplosion in den Griff zu kriegen, startete Air Berlin im Mai das erste eigene Sparprogramm. Zum Winterflugplan ab November wird das Streckennetzt kräftig ausgedünnt.

Die Kapazitäten auf der Langstrecke sollen um 30 Prozent reduziert werden. Zudem sollen spritfressende Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge ausgemustert werden. Statt der bisher geplanten 134 Maschinen sollen zum Jahresende nur 120 mit dem roten Logo abheben.

Das Klein-Beigeben wird dem Selfmademan Hunold nicht leicht gefallen sein. Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft bleibt damit nicht nur deutlich kleiner als die Nummer eins Lufthansa. Der Angreifer hat es zudem nicht geschafft seinen im Herbst verkündeten Coup, Lufthansa die Condor wegzuschnappen, durchzuziehen. Lufthansa-Chef Mayrhuber hatte einst unter dem Projektnamen Bluewings die Fusion des eigenen Billigfliegers Germanwings mit der Condor, an der Lufthansa noch 25 Prozent der Anteile hält, und dem Billig- und Ferienflieger des Touristikkonzerns Tuifly prüfen lassen. Das Trio war jedoch nie durchgestartet, da Mayrhuber das zyklischen Touristikgeschäft, für das Condor und auch Tuifly stehen, nicht wirklich wollte.

Mit dem Aus für Air Berlin/Condor ist der Traum von der roten und gelben Staffel im Himmel über Deutschland ersteinmal ausgeträumt. Denn dadurch sinkt auch die Notwendigkeit für Lufthansa, die Fusion des eigenen Billigfliegers Germanwings mit dem Billig- und Ferienflieger Tuifly des Touristikkonzerns Tui voranzutreiben. Dieses Duo hatte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber im Herbst sowieso nur aus der Not und Überraschung geboren, dass sich Air Berlin-Chef Hunold und Thomas Middelhoff, Vorstandschef des Reise- und Handelskonzerns Arcandor, zu dem mehrheitlich auch Thomas Cook und Condor gehören, geeinigt hatten. Die Fusion von Germanwings und Tuifly wird seit Monaten intern geprüft und ist beim Kartellamt noch nicht einmal angemeldet worden. Die Konsolidierung der deutschen Luftfahrt ist damit vorerst gestoppt, bevor sie auf die Startbahn gerollt ist.

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