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07.08.2008  | Aktualisiert 07.08.2008, 16:53 Uhr 
Allianz

Bank zu verschenken

von Frank Wiebe

Allianz-Chef Michael Diekmann muss beim Verkauf der Dresdner Bank um jeden Cent feilschen. Das ist er seinen Aktionären schuldig. Aber wenn alles nichts hilft, sollte er sie lieber verschenken, als sie noch länger zu behalten.

Es ist schwer zu schätzen, wie viel die Allianz an der Börse ohne Dresdner Bank - und ohne den möglichen Verkaufserlös dafür - wert wäre. Wahrscheinlich kaum weniger als heute. Es fragt sich daher, ob die Bank, solange sie Teil des Allianz-Konzerns ist, überhaupt noch einen erheblichen Wert darstellt.

Hinzu kommt: Die Belastung des Münchener Riesen durch seine Banktochter ist größer, als in den nackten Zahlen zum Ausdruck kommt. Denn Diekmann hat in den vergangenen Jahren seinen Versicherer in Deutschland recht rigoros modernisiert. Er hat Stellen nach Effizienzgesichtspunkten gestrichen oder verschoben - und dabei auch Tabus gebrochen. Die alte Allianz-Kultur, die von beispielloser Loyalität der Mitarbeiter und im Gegenzug einer großen Fürsorge des Unternehmens geprägt war, hat dadurch Schaden genommen. Viele haben "ihren" Konzern nicht wiedererkannt. Solche Schritte sind unvermeidlich im Wettbewerb gegen starke Konkurrenten wie die Axa in Paris, die schon immer - ganz französisch - einer rationalen Philosophie gefolgt ist und auf eine starke, zentrale Führung gesetzt hat. Aber eine harte Sanierung ist ihre Opfer nur dann wert, wenn der Erfolg für alle sichtbar wird und jeder einsehen kann: Ja, es war richtig so.

Die Schatten der Dresdner Bank verdunkeln aber mit trauriger Regelmäßigkeit alle Erfolge im Stammgeschäft der Allianz. Der Versicherer hat sie vor rund sieben Jahren übernommen, um sie zu retten. Nicht aus missionarischem Eifer, sondern weil er eine Beteiligung von gut 20 Prozent an der Bank hielt, deren Wert dahinschmolz. Die Idee, die Allianz in Deutschland als Allfinanzkonzern - Bank- und Versicherungsgeschäft unter einem Dach - zu definieren, war zum Teil auch eine nachträgliche strategische Rechtfertigung. Inzwischen ist aber auch der Wert der gesamten Bank dahingeschmolzen. Man mag gar nicht erahnen, wie oft das Management in München die Übernahme schon verflucht hat.

Ein großes Problem für Diekmann: So nah sich Banken und Versicherungen in vielen Geschäftsbereichen sind, so fremd sind sie sich in ihren Unternehmenskulturen. Wahrscheinlich könnte die Allianz einen Versicherer in Timbuktu problemloser integrieren als eine Bank in Frankfurt. Banker halten Versicherungsleute für langweilig, Versicherungsleute Banker für arrogant. Ganz unrecht haben beide nicht. Langeweile ist aber, zumal in stürmischen Zeiten, die ungefährlichere Schwäche.

Hinzu kommt: Die Allianz hat die Dresdner Bank in ein Konzept gepresst, dass nicht zu ihr passt. Ergänzend zum breiten Kleinkundengeschäft der Allianz sollte die Dresdner eine Art nationale Großsparkasse, eine Kleine-Leute-Bank werden, wie jeder auch an der leicht peinlichen Fernsehwerbung des Instituts erkennen kann ("Das ist nicht normal für eine Bank!"). Sparkassen gibt es in Deutschland aber genug. Und die Marke "Dresdner Bank" passt besser zu Geschäftsfeldern wie dem gehobenen Privatkundengeschäft.

Letztlich hat die Allianz die Dresdner so heruntergewirtschaftet. Die Bank hätte es verdient, endlich in bessere Hände zu wechseln.

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