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04.09.2008 
TNK-BP

Bitterer Beigeschmack

von Thomas Wiede

Das Schlimmste scheint überstanden zu sein: BP hat sich offenbar mit seinen russischen Partnern darauf verständigt, wie es beim umkämpften Ölkonzern TNK-BP weitergehen soll. Doch was bedeutet der „Kompromiss“, der sich zwischen den beiden zerstrittenen Partnern andeutet, für den britischen Multi und für das Investitionsklima in Russland?

Der Fall TNK-BP hat gezeigt, dass in Russland nach wie vor mit Methoden „Geschäfte“ gemacht werden können, die an einem modernen Wirtschaftsstandort nichts zu suchen haben. Die politische Führung hat die Gelegenheit verpasst, deutlich zu machen, dass sie derlei nicht duldet. Ihr Schweigen hat vielmehr gezeigt, dass sie mit dem Gang des Geschehens vielleicht sogar ganz einverstanden ist. Dabei sollte sie doch inzwischen verstanden haben, dass sie ohne Reformen und ein besseres Investitionsklima für ausländische Unternehmen das Land nicht fit für den globalen Wettbewerb im 21. Jahrhundert machen kann.

Für BP bedeutet der Ausgang der Affäre um das Joint Venture, das es gemeinsam mit russischen Eignern hält, einen herben Kontrollverlust. Der britische Ölkonzern wird zwar seine Beteiligung von 50 Prozent an dem hochprofitablen Gemeinschaftsunternehmen behalten. Das kann im heutigen Russland, in dem der Kreml darauf drängt, dass der Staat die Mehrheit an allen großen Unternehmungen im Öl- und Gassektor hat, als echter Erfolg gelten. Die russischen Partner bekommen aber das, worauf sie gezielt haben: Sie halten die Zügel in der Hand.

Faktisch sitzt BP spätesten seit der „Flucht“ des noch amtierenden TNK-BP-Chefs Robert Dudley aus Russland und dem Abgang des Finanzchefs nicht mehr im Sattel. Dudley hatte bereits im Juli Moskau verlassen und dies mit monatelangen Schikanen durch die russischen Behörden begründet. Dabei sollten nach den ursprünglichen Plänen für das Gemeinschaftsunternehmen doch die erfahrenen Manager aus dem Ausland garantieren, dass TNK-BP mit den großen internationalen Spielern mithalten kann – was den Einsatz modernster Technologien, aber auch, was gute Unternehmensführung angeht.

Den größten Einfluss behalten russische Anteilseigner: die Oligarchen German Chan und Wiktor Wekselberg. Zwar zeichnet sich ab, dass sich wenigstens Wekselberg aus dem Management des Gemeinschaftsunternehmens zurückzieht. Dafür ist aber wahrscheinlich, dass BP einen neuen russischen Chef „vorschlagen“ wird, der vorher den Segen des Kremls und der Oligarchen erhält und dann den gesamten Vorstand neu besetzt.

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