"Technik fürs Leben" ist der Leitspruch von Bosch. Darunter summiert der weltgrößte Autozulieferer mit 46,3 Mrd. Euro Umsatz auch Industriegüter, Boiler, Bohrmaschinen und Kühlschränke - und seit heute Solarzellen.
Für 546 Mill. Euro hat sich Bosch bereits das Paket von über 50 Prozent am Solarzellenhersteller Ersol
Solar Energy AG vom Finanzinvestor Ventizz gesichert. Sollten auch die übrigen Aktionäre der Nummer 3 der Branche in Deutschland hinter Q
-Cells und Solarworld
verkaufen, dann wird die Komplettübernahme Bosch wohl über eine Mrd. Euro kosten. In Japan nimmt Bosch gerade das eigene Tochterunternehmen für 600 Mill. Euro von der Börse und die Beteiligung an einem Gasanlagenherstellerteller für 100 Mill. Euro erhöht. Damit haben die Stuttgarter bereits in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mehr als doppelt so viel Geld für Zukäufe ausgegeben wie im Gesamtjahr 2007.
Bosch macht bei seiner Shoppingtour mächtig Dampf. In Japan nutzen die Schwaben den derzeit schwachen Yen. Bei Ersol
kaufen sie eine Technologie hinzu, die zum Firmen-Motto passt und gehen in einen Markt mit hohem Wachstumspotenzial, der sich gerade konzentriert. Darüber hinaus sitzt bei Finanzinvestoren, die gerne die Preise nach oben treiben, das Geld nicht mehr ganz so locker wie vor der Finanzkrise in den USA.
Manchmal gilt Bosch als ein wenig zu bedächtig. Beim Thema Solarindustrie kann man Bosch die bisherige Zurückhaltung nicht vorwerfen. Als erstes großes Industrieunternehmen gehen die Schwaben in den Markt. Zu einen Zeitpunkt da die Technologie industriell auf ein neues Niveau in der Fertigung gehoben werden muss. Hier verfügt Bosch über viel Kompetenz bei Verfahrenstechnik und Halbleitertechnik. Ersol
ist kein Schnäppchen aber das Timing ist gut. Billiger wird es sicherlich nicht mehr.
Rund 750 Mill. Euro wird Bosch mit Technologien für regenerative Energien in diesem Jahr umsetzen. Noch sind die Aktivitäten über verschiedene Bereiche verteilt. Getriebe- und Antriebstechnik für Windenergieanlagen liegt bei Bosch Rexroth. Bosch Thermotechnik baut Elektrowärmepumpen und Solarkollektoren für Warmwasseraufbereitung. Und gemeinsam mit BASF
beackert Bosch das Gebiet der organischen Photovoltaik und damit der nächsten Generation von Solarzellen. An der breiten Verteilung der einzelnen Produkte auf verschiedene Bereiche wird sich so schnell auch nichts ändern. Mittelfristig schließt Bosch aber nicht aus, dass diese Aktivitäten auch in einem neuen Geschäftsfeld zusammengeschlossen werden könnten. Das wäre dann das vierte Geschäftsfeld neben Automobiltechnik, Industrietechnik und Geberauchsgüter/Gebäudetechnik.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Engagement im Batteriebereich als Voraussetzung für Wachstumsschübe
Zu regenerativen Energien fehlt noch ein Engagement im Batteriebereich. Das passt zum einen zur zunehmenden Bedeutung der Speicherung von Energie aus den Solarzellen. Viel wichtiger für Bosch: Die Leistungsfähigkeit von Batterien entscheidet über Markterfolg und Zukunft von Hybridfahrzeugen und Elektrofahrzeugen. Bosch-Chef Franz Fehrenbach kündigte entscheidende Schritte für die nächsten Wochen an.
Hier wird in der Branche vermutet, dass Bosch ein Joint Venture eingehen wird, da die chemische Kompetenz im Haus fehlt. Potenzieller Partner ist hier wiederum BASF
. Sollte das in diesem Jahr geschehen, dann würde Bosch seine Basis deutlich vergrößern. Solar- und Batterietechnologie sind Querschnittstechnologien der Zukunft, die auf verschiedene Bosch-Bereiche ausstrahlen. Folgt der Schritt in die Batterietechnologie dann schafft Bosch die Voraussetzung für weitaus größere Wachstumsschübe als in der Vergangenheit.
Rund sechs Prozent Wachstum schaffte der schwäbische Riese bislang jährlich, Rohstoffpreise hin, Dollarkurs her. Die Wucht kommt aus der Kontinuität. 20 Mrd. Euro Umsatz und 80 000 Beschäftigte kamen in den vergangenen zehn Jahren bei dem in Stiftungsbesitz befindlichen Unternehmen hinzu. Gleichzeitig vervierfachte sich das Ergebnis auf 3,8 Mrd. Euro. Das entspricht einer operativen Rendite von 6,8 Prozent. Wie ein Eisbrecher, langsam aber mit unheimlicher Kraft und Technik, bahnt Bosch seinen Weg durch konjunkturelle Widrigkeiten. Abschreibungen über 200 Mill. Euro unter anderem für die eingestellte Dieseltechnologie Pumpe-Düse verdrängt der Koloss wie eine lästige Eisscholle.
Das Resultat der Vorwärtsbewegung ist die Steigerung des Cashflows um elf Prozent auf 4,5 Mrd. Euro. 2,8 Mrd. Euro haben die Stuttgarter in der Kasse. Bosch kann sich Ersol
locker leisten. Insgesamt verfügt das Unternehmen über Finanzmittel von zwölf Mrd. Euro. Das ist mehr als der Konkurrent Continental
für die Übernahme von VDO an Siemens
zahlte. Bosch hätte sich für so einen Megadeal nicht einmal verschulden müssen. Während den Konkurrenten jetzt ein schwere Zinslast drückt. Bosch macht sich gerade fit für die Zukunft und schließt Technologie-Lücken für die Zukunft. Die volle Kasse wird helfen.


