6 Bewertungen *****
13.10.2008 
Rettungspaket

Britische Banken an die Kandare

von Dirk Heilmann

Das britische Rettungspaket für die Banken ist mindestens europaweit zum Vorbild geworden. Seine drei Elemente - Rekapitalisierung der Banken, Liquiditätsschwemme und staatliche Garantie für den Interbankenmarkt - scheinen die Nöte des Finanzsystems am besten zu lindern. Der Härtetest in der Praxis steht zwar noch aus, aber die erste Reaktion der Börsen auf die Aussicht, europaweit ein solches Paket zu bekommen, ist ermutigend.

Die Details der Maßnahmen, die die britische Regierung heute morgen veröffentlicht hat, haben es allerdings in sich. London nimmt die Banken an die Kandare. Bei der Royal Bank of Scotland, an der der Staat künftig eine Mehrheit halten wird, hat die Regierung den Vorstandschef, den Chairman und ein weiteres Board-Mitglied in die Wüste geschickt. Die Bank muss ihre Expansion in die riskanteren Gefilde des Investment-Banking zurückdrehen und Töchter verkaufen. Die andere schottische Großbank, HBOS, zwingt die Regierung in eine Übernahme durch Lloyds TSB zu nochmals verschlechterten Konditionen. An dem neuen Privatkundenriesen wird der Staat 43,5 Prozent halten. Die anderen Banken wollen ohne staatliches Kapital auskommen.

Anders als zunächst geplant, beteiligt sich der Staat über eine noch zu gründende Holding zum größten Teil mit Stammkapital und nur zum kleineren Teil mit Vorzugskapital an den genannten Banken. So lange das Vorzugskapital nicht zurückgezahlt ist, dürfen die Institute keine Dividenden zahlen. Der Staat allerdings erhält auf sein Vorzugskapital 12 Prozent Zinsen. Auch mussten sich die Banken verpflichten, mindestens auf dem Niveau von 2007 Geld an Bürger und kleine und mittlere Unternehmen auszuleihen.

Für alle Banken will die Finanzaufsicht neue Regeln für die Manager-Entlohnung durchsetzen. Boni sollen künftig das Risiko berücksichtigen, das für die Gewinne eingegangen wird, und sie müssen die Leistung über mehrere Jahre berücksichtigen. Unterm Strich ist eines klar: Dieses Mal will die Regierung kein Zurück zum Banken-Casino zulassen. Im nächsten Boom sollen die Banker in der Londoner City zähneknirschend in ihren Glastürmen sitzen und über neue Konditionen für Sparverträge nachdenken, statt mit innovativen Schuldtiteln oder hochfliegenden Fusionsplänen das große Rad zu drehen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige