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21.07.2008 
Hertie

Britische Fehlsicht

von Christoph Schlautmann

Wie hatte doch Arcandor-Chef Thomas Middelhoff britische Finanzinvestoren noch vor wenigen Wochen gelobt! Die Londoner Finanzgemeinde sei interessanten Deals gegenüber viel aufgeschlossener als die verzagten Deutschen. Am liebsten, sinnierte Middelhoff, würde er auch mit seinem eigenen Konzern - wie schon zuvor mit der Tochter Thomas Cook - nach London übersiedeln.

Middelhoffs Rundumschlag, der eigentlich den Arcandor-kritischen deutschen Analysten galt, liest sich heute wie blanke Ironie. Denn zu den angeblich ausgeschlafenen Briten zählte bislang auch die Investmentgesellschaft Dawnay Day, der Middelhoff vor drei Jahren die heutige Hertie-Kette andrehte.

Der Essener Verkäufer, der damals noch Karstadt-Quelle hieß, jubelte, der Käufer Dawnay Day dagegen verfiel bald schon in Katerstimmung. Die angeblich cleveren Briten haben sich - wie schon zuvor beim Deutschland-Flop von Marks & Spencer - wieder einmal gründlich verschätzt.

Sie kalkulierten mit Renditen, wie sie in Großbritannien üblich, in Deutschland wegen des scharfen Wettbewerbs aber unerreichbar sind. Die überzogenen Erwartungen verschlimmerten die Lage noch. Obwohl sich Hertie mitten im Umbau befand, zog Dawnay Day durch überhöhte Mietforderungen Geld aus dem Unternehmen. Die Hertie-Geschäftsführer, für die Dawnay Days Ertragsvorgaben unerfüllbar blieben, wechselten fast in der Geschwindigkeit von Kalenderblättern.

Viel cleverer als die gelobten Briten agierte Laudator Middelhoff selbst: Er trennte sich nicht nur rechtzeitig von den heutigen Hertie-Häusern, sondern auch von der Textilkette Wehmeyer. Sie steht bereits unter Insolvenzverwaltung.

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