Zu den Grundregeln des Pokers gehört, den Gegner nicht ins eigene Blatt schauen zu lassen. Wer clever spielt und seine Karten richtig nutzt, kann sogar mit einem schlechten Blatt noch ein Spiel gewinnen.
Der Hannoveraner Zuliefererkonzern Continental
beherzigt momentan im Abwehrkampf gegen den Schaeffler-Konzern diese Lektion vorbildlich. Es spricht vieles dafür, dass hinter den laufenden Gesprächen der Hannoveraner mit strategischen und Finanzinvestoren über ein mögliches höheres Gebot eine gehörige Portion Bluff steckt.
Es gehört Mut dazu, die in weiten Teilen der Öffentlichkeit immer noch als Heuschrecken verunglimpften Finanzinvestoren als bessere Alternative zum fränkischen Familienkonzern darzustellen. Ein Schulterschluss mit mehreren Private-Equity-Adressen gegen Schaeffler würde aber den Konzern, der gerade erst mühsam die Reihen wieder geschlossen hatte, intern vor eine neue Zerreißprobe stellen.
Denn so viel ist klar: Der einflussreichen Arbeitnehmerbank von Conti
wäre ein Finanzinvestor nur schwerlich als Großaktionär zu vermitteln. In diesem Fall würde sie möglicherweise sogar auf die Seiten von Schaeffler wechseln. Conti
-Boss Manfred Wennemer schlüge also einen riskanten Kurs ein, wenn er ernsthaft die Beteiligungsgesellschaften an Bord holen sollte.
Das Schöne an einem guten Bluff aber ist, dass der Gegner niemals ganz genau weiß, ob man wirklich mit leeren Händen dasteht. Das Poker um Conti
erinnert an die spektakuläre Kartenpartie im jüngsten Bond-Film "Casino Royale". Nur dass beim "Casino Continental" derzeit noch niemand mit letzter Gewissheit vorhersagen kann, wer am Ende als Held und Sieger dasteht.


