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01.09.2008 
Bankenkonsolidierung

Chancen für den Primus

von Robert Landgraf

Genau das kann er sich in Zeiten der Finanzkrise nicht leisten. Was in diesen Tagen in Konzernchef Ackermann vorgeht und wie er aus einer Position der Stärke im jetzigen Markt agieren will, weiß zurzeit wohl niemand. Hat er einen internationalen Akteur im Blick, der fest in Schwellenländern wie Brasilien oder China verankert ist? Will er die Deutsche Bank in Westeuropa weiter voranbringen? Oder wirft er gar ein Auge auf eine Investmentbank? Alles möglich. Doch all das sind nur zweitbeste Lösungen. Für die Zukunft gilt ebenso wie für die Vergangenheit: Eine internationale Großbank muss zu den Topspielern im Heimatmarkt zählen, um weltweit expandieren zu können.

Die Finanzkrise hat gezeigt, dass auch gepflegte Langeweile rentabel sein kann. Warum? Zwar bieten die in den Boomzeiten ungeliebten Retailkunden nicht jene hohen Renditechancen für die Institute wie das Investment-Banking. Doch das beste Investment-Banking nützt wenig, wenn in schlechten Zeiten auf einmal horrende Verluste anfallen. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Die Deutsche Bank steht keineswegs am Rand des Abgrunds. Im Gegenteil: Trotz milliardenschwerer Abschreibungen gehört die Bank zu jenen Instituten, die vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind. Deswegen reicht auch ihr Geld aus, um bei der Postbank zuzugreifen.

Mit der Postbank würde sich die Deutsche Bank eine gut geölte Maschine zur Kundengewinnung einverleiben. Der Primus im Markt könnte eine perfekte Zwei-Marken-Strategie fahren: Gute Privatkunden erhalten bei der Deutschen Bank eine Spitzenberatung. Ebenjene, die jedermann mit dem Namen Deutsche Bank verbindet. Alle anderen fängt die Postbank auf, die heute bereits 14 Millionen Kunden besitzt. Gleichzeitig bietet sich für die Deutsche Bank die Chance, vielleicht zwei, drei Millionen Kunden so zu fördern, dass sie mittelfristig von der Postbank zum Branchenprimus aufsteigen. Die Folge: Es würden deutlich mehr Produkte und Dienstleistungen aus dem neuen Konzern verkauft.

So ganz nebenbei birgt die Postbank auch einen Schatz, der Gold wert für Großbanken mit starkem Investment-Banking ist. Die Vertreter der älteren Generation haben Milliarden auf ihre Sparbücher bei der Postbank eingezahlt. Geld, für das die Deutsche Bank in Krisenzeiten auf dem Kapitalmarkt hohe Zinsen berappen muss. Damit nicht genug. Eine Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank eröffnet für den neuen Retailriesen beste Chancen, noch weiter zu wachsen.

Im Gegensatz zu einer Kombination aus Deutscher Bank und Postbank gibt es bei der Fusion der Konkurrenten viele Überschneidungen. Neben den Firmenkunden könnte die Deutsche Bank daher auch etliche verärgerte Privatanleger zu sich herüberziehen. Denn die müssen nach der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank mit Entlassungen von Beratern und Filialschließungen rechnen.

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