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19.06.2008 

Für Ungarn spricht vor allem die automobile Erfahrung, die das Land in den bald 20 Jahren seit dem Fall des Eisernen Vorhangs gesammelt hat. Opel zusammen mit dem Mutterkonzern General Motors, der japanische Autohersteller Suzuki und die VW-Tochter Audi sind mit ihren Werken in Ungarn hochzufrieden. Auch die meisten Zulieferer haben die Standortentscheidung für Ungarn nicht bereut. Das Ausbildungsniveau ist hoch, was gute Qualitätsstandards in den Fabriken erlaubt.

Aus Daimler-Sicht ist das ein gewichtiges Argument. Zum ersten Mal entsteht in Osteuropa ein großes Autowerk für Premiumfahrzeuge. Mehr als 100 000 Autos sollen in Kecskemét künftig von den Fließbändern laufen. Für einen Edelhersteller wie Daimler ist die Qualität besonders wichtig. Sie wäre an einem Standort in Rumänien vielleicht nicht in demselben Maße garantiert wie künftig in Ungarn. Und deshalb verlässt sich Daimler gern auf die ungarischen Arbeiter - und nimmt die etwas höheren Kosten im Vergleich zu Rumänien gern in Kauf. Zudem liegt das neue Werk auch näher an den bereits bestehenden Fabriken der Zulieferer. Das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt für die Daimler-Produktionsplaner in Stuttgart.

Unabhängig von der konkreten Standortentscheidung für Ungarn hat das neue Daimler-Werk Symbolkraft für ganz Osteuropa. Dass dort erstmals in großem Stil Fahrzeuge einer der weltweit bekanntesten Automarken produziert werden sollen, ist ein großer wirtschaftlicher Erfolg.

Diese Entscheidung unterstreicht, dass die Länder Osteuropas bereits einen großen Teil des Weges bei der ökonomischen Aufholjagd gegenüber dem Westen hinter sich gebracht haben. Wenn Daimler mit einem eigenen Werk nach Ungarn geht, dann ist der Konzern davon überzeugt, dass sich die Menschen dort diese vergleichsweise teuren Premiumautos auch selbst leisten können - und nicht mehr nur mit einem alten Lada oder einem billigen Dacia unterwegs sind.

Die Stuttgarter gehen zwar zunächst nur mit den vergleichsweise kleinen Modellreihen der Mercedes A- und B-Klasse in das neue Werk. Aber eines scheint dabei ziemlich sicher: Wenn die Volkswirtschaften Osteuropas weiter wachsen, können eines Tages auch größere Autos in Kecskemét produziert werden. Ein Anfang ist also gemacht, die Aussichten sind gut.

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