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08.07.2008 
Siemens

Der Aufräumer

von Joachim Hofer

Der Aktienkurs ist im Keller, und die Mitarbeiter gehen angesichts eines drastischen Sparprogramms auf die Barrikaden. Auf den ersten Blick fällt Peter Löschers Bilanz nach einem Jahr an der Spitze von Siemens eher bescheiden aus.

Eine etwas genauere Betrachtung zeigt aber, dass der gebürtige Österreicher ein Glücksfall für den Münchener Konzern ist. Denn Löscher ist der erste Vorstandsvorsitzende, der seine Karriere nicht im großen Siemens-Reich gemacht hat. Diesen Umstand nutzt der Manager geschickt aus. Ohne Rücksicht auf alte Seilschaften räumt er in dem verkrusteten und von Korruption durchsetzten Traditionshaus auf.

Die ersten Monate im Amt war der Ex-Vorstand des Siemens-Rivalen General Electric voll damit beschäftigt, den Schmiergeldskandal in den Griff zu bekommen. Die Affäre nahm Löscher zum Anlass, um die überkommenen Strukturen im Vorstand zu kippen. Dabei hatte der Manager aber bereits viel weitreichendere Umbaupläne im Hinterkopf. Ihm war klar, dass er die überbordende Bürokratie, die zahllosen Hierarchiestufen und vielen Zuständigkeiten in dem über die ganze Welt verteilten Unternehmen in den Griff bekommen muss.

So bitter es für die betroffenen Mitarbeiter auch ist: Siemens hat den gestern offiziell angekündigten Stellenabbau in der Verwaltung dringend nötig. Wenn der Hersteller von Kraftwerken, Lokomotiven und Ultraschallgeräten mit seinen Wettbewerbern nicht nur mithalten, sondern ihnen davonziehen will, dann muss der Wasserkopf weg.

Ein Spaziergang wird das sicher nicht. Löscher hat jetzt darauf zu achten, dass die Stimmung nicht kippt, er die Leute auf seine Reise mitnimmt. Doch gelingt ihm das, wird Siemens hinterher wesentlich besser dastehen als heute.

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