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28.08.2008 
AWD

Der Offenbarungseid des Carsten Maschmeyer

von Thomas Schmitt

Das zweite Quartal ist für den Finanzvertrieb AWD katastrophal gelaufen. Der Gewinn bricht um zwei Drittel ein, und die Berater sind weggelaufen. Aber der Reihe nach.

Offiziell werden die Zahlen natürlich als Erfolg in einem schwierigen Markt verkauft. In der Pressemitteilung von AWD ist auch von 6 600 Beratern die Rede - da sind die Zukäufe aber schon mitgezählt, gemeint ist hier insbesondere die norddeutsche Proventus.

Um die extrem schwierige Situation des AWD richtig zu erfassen, muss man daher in die Bilanz schauen. Stichwort: Kennzahlen des zweiten Quartals. Der Umsatz fiel noch relativ moderat um 15 Prozent, der Gewinn vor Zinsen und Steuern brach jedoch um 70 Prozent ein. Die Gewinnmarge krachte von 11,1 auf 4 Prozent herunter, der Quartalsüberschuss fiel sogar um 71,1 Prozent auf nur noch 4,7 Millionen Euro.

Offiziell wies AWD für Ende Juli 6 037 Berater aus. Das sind rund 300 weniger als vor einem Jahr. Dies gilt für den Konzern. Noch interessanter ist jedoch die Entwicklung in Deutschland. Hier ist die Zahl der Berater in nur einem Jahr von 4 367 auf 3 875 gesunken. Das sind also rund 500 Leute, die dem AWD weggelaufen sind. Ausgeglichen wurde dies aber bereits durch den Zukauf.

Interessant ist auch, dass die AWD-Berater in Deutschland mehr als 20 000 Kunden weniger als vor einem Jahr beraten haben. Dennoch stiegen die Umsatzerlöse leicht, was als Erfolg verkauft wird. Dies ist nach Einschätzung von Branchenexperten sehr merkwürdig, aber erklärbar. Der AWD gehört nun zu 96 Prozent zur großen Schweizer Versicherung Swiss Life. Da dürfte es nach Einschätzung von Kennern der Branche leicht möglich sein, ein paar Millionen zur kränkelnden Tochter hinüberzuschieben.

Darauf deutet auch die Aufschlüsselung der Umsatzerlöse in der Quartalsbilanz hin. Die Abschlussprovisionen für die Vertreter sind danach um 18,4 Prozent auf 247 Mill. Euro gefallen. Die sonstigen Umsatzerlöse haben sich wenig verändert. Interessant ist dagegen die Position wiederkehrende und sonstige Provisionen: Diese ist von 72,6 auf 77,3 Mill. Euro im ersten Halbjahr gestiegen. Dennoch fielen die Umsatzerlöse insgesamt von 388 auf 335 Mill. Euro im Halbjahr. Der Grund dafür ist jedoch in erster Linie eine extrem schlechte Entwicklung in Großbritannien und Österreich einschließlich der östlichen Nachbarstaaten. Dort ist der Konkurrent OVB bombenstark, der AWD dagegen schwach.

Fazit: Es wird nun immer klarer, warum AWD-Gründer Carsten Maschmeyer 2007 unbedingt seine AWD-Aktien loswerden wollte. Er bot sie ja nicht nur Swiss Life an, die im Dezember 2007 zuschlugen. Auch der Konkurrent MLP dachte darüber nach, sagte dann jedoch ab. Der AWD hat offenbar extrem große Probleme, die nicht nur auf das schlechte Branchenumfeld zurückgeführt werden können.

In der Beraterschaft stimmt es offensichtlich nicht mehr. Sonst würden nicht so viele altgediente Vermittler gehen. Und sonst müsste das Unternehmen nicht so viele wichtige Leute mit Treueprämien vorerst an den Finanzvertrieb binden. Das ist nicht nur teuer, dies ist auch eine Zeitbombe. Denn das sind alles nur Treueschwüre für ein paar Jahre. Wer weiß, wohin diese Leute ihre Truppen in ein paar Jahren führen werden. Aber das dürfte dann kaum noch für Außenstehende zu erkennen sein, weil der AWD dann längst nicht mehr börsennotiert sein wird und so viele Zahlen wie derzeit noch offenlegen muss.

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