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15.07.2008  | Aktualisiert 15.07.2008, 17:54 Uhr 

Die Geier kreisen

von Martin-Werner Buchenau

Eines muss man Rick Wagoner lassen. Er lässt nichts unversucht. Sparprogramm folgt auf Sparprogramm. Jetzt scheint es aber gar keine Tabus mehr zu geben. Erstmals seit 1922 lässt er die Dividende ausfallen. Das ist starker Tobak im Ursprungsland der Massenmotorisierung. 15 Milliarden Dollar Einsparungen in 18 Monaten klingen wie ein Befreiungsschlag. Für die nüchternen Analysten in New York ist das schlicht eine Minimalforderung an GM, damit dem Konzern in dem schrumpfenden Markt nicht der Konkurs droht. Dieses Wort will Wagoner auch tunlichst vermeiden. Schließlich haben die Amerikaner ja den Optimismus erfunden. Aber ein bisschen kommt es einem wie in der sonstigen US-Gesellschaft vor: Monatelang wird tunlichst das Wort Rezession vermieden, bis sie schließlich doch da ist.

Die Tricks der Massenpsychologie scheinen aber langsam nicht mehr zu funktionieren. Mit den falschen Produkten kann sich kein Unternehmen gegen die massiven Trends der Zeit stellen. Das hat GM erkannt. Aber dass der Markt mit seinen Ölpreisexplosionen Rücksicht auf den Marktführer nehmen wird, bis der endlich sparsamere Modelle auf den Markt bringt, ist angesichts der technischen Überlegenheit der Japaner fraglich.

Die Geier kreisen schon über der US-Autoindustrie. Man darf gespannt sein, ob der Staat dem Ersten, den es erwischt, unter die Arme greifen wird, wie es einst bei den Fluglinien mit Chapter 11 geschah. Die Ignoranz der Big Three gegenüber Spritverbrauch rächt sich derzeit bitter. Noch ist schwer vorzustellen, dass die Amerikaner künftig mit Smarts über den Highway zuckeln. Aber zu viel Häme ist auch nicht angesagt. Auch deutsche Autos sind für die Zukunft des Individualverkehrs zu groß und zu durstig.

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