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28.07.2008  | Aktualisiert 28.07.2008, 18:00 Uhr 
Banken

Die Gespräche sind zäh

von Nicole Bastian

Im kleinen Schwarzwälder Ort Hornberg herrschte im Jahre 1564 große Aufregung: Der Herzog von Württemberg hatte sich angesagt und sollte mit allen Ehren empfangen werden. Als sich aus der Ferne eine Staubwolke näherte, schossen die Hornberger aus ihren Kanonen, was das Zeug hielt. Und sahen dann, dass es nur eine Postkutsche, ein Krämerkarren und eine Herde Kühe waren, die sie so begrüßt hatten. Als der Herzog eintraf, hatten sie all ihr Pulver verschossen.

Aus dieser Episode ist die Redensart hervorgegangen, dass etwas ausgeht wie das Hornberger Schießen: viel Getöse, kein Erfolg. Nach großer Anfangseuphorie könnte ebendieses Schicksal die deutsche Bankenkonsolidierung ereilen. Sowohl bei der Dresdner Bank als auch bei der Postbank laufen die Verkaufsgespräche Finanzkreisen zufolge nicht so schnell wie anfangs gedacht.

Gründe für diese Verzögerungen gibt es viele. Allen voran die schlechte Lage am Aktienmarkt, die die Bewertungen von Banken stark nach unten drückt. Kein Banker kann heute sicher prognostizieren, dass die Finanzkrise vorbei ist - und sollte sie sich noch einmal verschärfen, will niemand mit einem unverdaulichen Brocken dastehen. Die derzeitigen Probleme des belgischen Finanzkonzerns Fortis, der sich an seinem Teil der niederländischen ABN Amro verschluckt hat, sind eine Warnung.

Je stärker die eigene Bewertung der möglichen Käufer an der Börse sinkt, desto weniger können sie ihren Aktionären zudem befriedigend erklären, warum sie für eine Dresdner Bank oder eine Postbank einen Preis zahlen sollen, der eine höhere Bewertung zugrunde legt als ihre eigene. Außerdem sind die Kapitalmärkte immer noch angespannt. Es wäre kostspielig, am Kapitalmarkt frisches Geld für eine Übernahme aufzunehmen. Das alles drückt den Preis, den mögliche Käufer zu zahlen bereit sind.

Am Ende wird es so immer schwieriger, sich auf einen Preis zu einigen. Beispiel Postbank: Seit gut einem Monat hat Mehrheitseigner Deutsche Post die Gespräche mit Interessenten offiziell bekanntgemacht. Doch seit Anfang Juni sinkt der Kurs der Postbank massiv. Jetzt ist das Institut an der Börse nur noch rund 7,5 Milliarden Euro wert. Anfang Juni waren es noch rund zehn Milliarden. Ein zweistelliger Betrag wird mittlerweile am Markt als nicht mehr realisierbar angesehen, zumal die Post gerne Cash sehen möchte, also keine Aktien als Bezahlung.

Doch Postchef Franz Appel kann seine 50 Prozent plus eine Aktie auch nicht zum Ramschpreis hergeben. Die Postbank, bei der unter anderem die Deutsche Bank und Lloyds TSB aus Großbritannien als Interessenten gelten, ist kein Notverkauf. Auch wenn ihre Eigenkapitalbasis nicht üppig ist, hat sie während der Finanzkrise Gewinne geschrieben und ist von deren Folgen weniger in ihrem Geschäftsmodell betroffen als Investmentbanken wie Dresdner Kleinwort. Ein Problem allerdings: Weil der Kurs in letzter Zeit so stark gesunken ist, wäre eine Abfindung außenstehender Aktionäre relativ teuer, weil sie nach dem Durchschnittskurs von drei Monaten berechnet wird.

Der Verkauf der deutschen Citibank hat gezeigt, dass selbst für einen konjunkturanfälligeren Konsumentenkreditfinanzierer mit gut fünf Milliarden Euro ein guter Preis erzielt werden kann. Vielleicht einfach auf ein besseres Timing warten, mag sich das Post-Management denken. Der Bund hat nur noch bis Anfang 2009 ein Vetorecht beim Postbank-Verkauf und sähe gerne eine deutsche Übernahme. Er hat aber andererseits kein Interesse daran, dass die Post ihr Tafelsilber unter Wert verscherbelt.

Etwas einfacher hat es da die Allianz mit ihrer Tochter, der Dresdner Bank. Die Politik hat hier nichts zu sagen, und außenstehende Aktionäre gibt es auch nicht. Bei der Allianz geht es eher darum, wie viel der Versicherer auf sein Dresdner-Engagement abschreiben muss, wenn er es zu billig abstößt.

Doch trivial sind die Verhandlungen, bei denen neben der Commerzbank die spanische Santander und die französische BNP Paribas als Gesprächspartner gelten, auch hier nicht. Ungeklärt ist die Frage, ob ein Käufer die verlustreiche Investmentbank Dresdner Kleinwort mit übernehmen würde. Und beim Privatkundenbereich der Bank ist eine sich abkühlende Konjunktur, die höherer Risikovorsorge verlangen könnte, keine Grundlage für euphorische Preise. Die Übernahme einer Universalbank wie der Dresdner ist zudem weitaus komplexer als die Integration einer schmaler aufgestellten Citibank.

Der Druck auf das Allianz-Management, das unglückliche Engagement im Bankgeschäft loszuwerden, ist aber hoch. Deshalb dürfte irgendetwas passieren. Doch ob wir bis Ende des Jahres wirklich zwei Großfusionen sehen, ist noch nicht entschieden.

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