Wieder einmal weiß sich Infineon
nicht anders zu helfen als Stellen zu streichen. 3 000 Jobs fallen in den nächsten Monaten weg, das ist jeder zehnte Arbeitsplatz in Europas zweitgrößtem Chipkonzern. Dass Infineon
schon wieder auf das primitivste Mittel der Kostensenkung zurückgreift, ist ein Armutszeugnis. Für den Vorstand und die Berater, die im Hintergrund agieren. Denn das jetzt neu angelaufene Restrukturierungsprogramm ist nicht das erste seiner Art, die ehemalige Siemens
-Tochter hat schon viele Einschnitte hinter sich. Geholfen haben sie wenig. Denn bis heute gehört Infineon
zu den wirtschaftlich schwächsten Wettbewerbern der ganzen Chipbranche.
Sicher, der neue Vorstandschef Peter Bauer hat keine Wahl, angesichts der hohen Verluste muss er die Kosten schnell drücken. Da liegt es nahe, zum Mittel des Stellenabbaus zu greifen. Doch Bauer hat ohnehin ein Problem mit der Glaubwürdigkeit: Er ist seit fast zehn Jahren im Infineon
-Vorstand, hätte also alle Zeit der Welt gehabt, den Konzern in die richtige Richtung zu lenken. Er ist auch seine Schuld, dass Infineon
heute so jämmerlich dasteht. Die hohen Verluste hat das Unternehmen im Wesentlichen sich selbst zuzuschreiben. Denn der Branche an sich geht es gut, sie wächst deutlich stärker als die meisten anderen Industrien. Allerdings ist Infineon
über seine hoch defizitäre Speicherchiptochter Qimonda im völlig falschen Segment tätig.
Dazu kommt: Der Jobabbau sowie der bereits kürzlich angekündigte Konzernumbau reichen nicht aus, um wieder zu gesunden. Infineon
braucht vor allem neue Kunden und größere Aufträge. Wenn es nicht gelingt, Umsatz und Margen zu erhöhen, wird die ganze Restrukturierung verpuffen. Das wäre dann das Ende von Infineon
in seiner derzeitigen Form.

