Martin Blessing hat gestern deutlich gemacht, wer im neuen Haus, das er nun aus Dresdner und Commerzbank
bauen will, das Sagen hat: er selbst. Und dann auch noch das Management der Commerzbank
. Blessing hat damit den ersten Fehler auf dem langen Weg zu einer geglückten Fusion vermieden. Der hätte darin bestanden, irgendwie geartete paritätisch besetzte Vorstände zu installieren. Stattdessen nimmt der Commerzbank
-Chef das Heft selbst in die Hand. Gut so.
Doch Blessing muss noch viel mehr richtig machen, damit die Fusion gelingt. Auf ihn wartet ein Berg von Herausforderungen. Aber ein Blick auf die Bilanz seiner Risiken und Chancen zeigt: Er kann es schaffen. Nach 110 Tagen Amtszeit bei der Commerzbank
hat er die reelle Aussicht, die größte Fusion, die Deutschland in diesem Jahrzehnt in seiner Branche gesehen hat, zum Erfolg zu führen. Vor allem, wenn er den Mut beibehält, den er mit seinen ersten Schritten bewiesen hat.
Unsicherheiten gibt es genug. Da sind jene 9 000 Stellen, die nicht mehr besetzt werden sollen, damit die hochgegriffenen Synergieeffekte von fünf Milliarden Euro realisiert werden. Blessing wird sich intensiv mit den Arbeitnehmervertretern auseinandersetzen müssen, um sein Ziel zu erreichen. Er muss auch glasklar formulieren, was von der Investmentabteilung der Dresdner Bank in London übrig bleiben soll. Viel kann es nicht sein.
Da ist die Konkurrenz, die die Gunst der Stunde nutzen wird, um dem jungen, verwundbaren Gebilde verunsicherte Kunden abzujagen. Schon in der Nacht zum Montag haben Wettbewerber Waidmannsheil-Parolen ausgegeben. Keiner will tatenlos zusehen, wie da möglicherweise ein erstarkter Rivale heranwächst.
Da ist die Konjunktur, für die die Auguren ihre Daumen senken und die für eine Bank, die mit einem Zukauf an die Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten geht, eine Gefahr bedeutet. Zumal Blessing mit seiner Strategie eine Wette auf Deutschland abgeschlossen hat: Er kann weniger als etwa die Deutsche Bank
im Ausland ausgleichen, wenn es im Heimatmarkt nicht so läuft.
Und da ist nicht zuletzt die Allianz
als neuer Großaktionär der Commerzbank
mit einem Anteil, der deutlich oberhalb der Sperrminorität liegt. Dass der Versicherer nicht zuschaut, wenn ihm als Aktionär etwas gegen den Strich geht, hat er bei früheren Gelegenheiten bewiesen.
Doch Blessing kann auch auf die Habenseite in seiner neuen Bilanz schauen. Im Corporate Banking, also bei der Betreuung mittelständischer Unternehmen im In- und Ausland, haben Dresdner und Commerzbank
schon bislang einen guten Job gemacht. Sie können ihn gemeinsam noch besser machen. Im von den Sparkassen dominierten Schaltergeschäft schlummern Skaleneffekte. Hier bedeutet schiere Größe weniger Kosten. Vor allem aber: Blessing kann als ehemaliger Dresdner Banker darauf setzen, dass es auch Kollegen bei seinem alten Arbeitgeber gibt, die jetzt erleichtert darüber sind, dass nicht mehr ein Versicherer die Fremdherrschaft ausübt, sondern eine Bank.
Das sollte Kreativität freisetzen und ihm helfen, dass der Job, den er sich aufgehalst hat, auch zu machen ist.


