Der Münchener Siemens
-Konzern steht kurz davor, seine Ex-Vorstände wegen der Korruptionsaffäre auf Schadensersatz zu verklagen. Das ist völlig richtig, denn die einst so mächtige und hochbezahlte Führungsriege muss zur Verantwortung gezogen werden für ihre Fehler, die das Traditionsunternehmen an den Rand des Abgrunds gebracht haben.
Seit einigen Wochen läuft bereits der erste Strafprozess im Zuge des Schmiergeldskandals. Die Details, die im Verlauf des Verfahrens wegen Untreue gegen einen ehemaligen Manager der mittleren Ebene ans Licht kamen, sind erschütternd. Korruption und schwarze Kassen waren bei Siemens
über Jahre hinweg offenbar gang und gäbe.
Die Verhandlung hat zudem gezeigt, dass es schwere organisatorische Mängel gab, die das kriminelle Schaffen erst möglich gemacht haben. So ist zwar einigen Hausjuristen aufgefallen, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging. Im Dschungel der Abteilungen fühlte sich aber niemand verantwortlich dafür, Anzeige zu erstatten. Das lag unter anderem an Verantwortlichkeiten, die extrem stark verteilt waren.
Noch ist die Aufarbeitung der Affäre in vollem Gange, ist längst nicht alles aufgeklärt. Solange kein Urteil gesprochen ist, gilt für die ehemalige Vorstandsriege um den langjährigen Konzernchef Heinrich von Pierer die Unschuldsvermutung.
Fest steht aber schon jetzt, dass Siemens
ein enormer Schaden entstanden ist, der den Konzern Milliarden kosten wird. Dafür sind die ehemaligen Vorstände mit verantwortlich. Das gilt selbst dann, wenn sie, wie einige behaupten, nichts von den Vorfällen gewusst haben. In diesem Fall haben sie ihr Unternehmen nicht im Griff gehabt und in ihrer Kontrollfunktion versagt.

