Nicht jede Marktnische ist bequem. Diese Erfahrung macht die private Krankenversicherung (PKV) seit Jahren. Und seit Jahren läuft die Diskussion: Sollen wir uns in der Nische einmauern oder den Ausbruch wagen? Genau dieser Streit kocht zurzeit wieder hoch.
Versichertenkarten verschiedener Krankenversicherungen. Nur die Politik kann die Arbeitsteilung von gesetzlichen und privaten Krankenversicherern neu definieren. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Die privaten Krankenversicherer stehen unter politischem Druck - und streiten, wie sie darauf reagieren sollten. Fakt ist: Weder die Unternehmen noch ihre Verbände können Konzepte durchsetzen, die die Arbeitsteilung von gesetzlichen Kassen (GKV) und PKV völlig neu definieren. Das kann nur die Politik. Es geht also bei den privaten Versicherern darum, wie sie sich für die nächste Gesundheitsreform wappnen. Die Frage ist nicht, wie sie in den nächsten zwei oder drei Jahren arbeiten, sondern eher, wie die Branche in zehn Jahren aussieht.
Heute bearbeitet die Branche eine kleine Marktnische, deren Kundenstamm aus gut verdienenden Bürgern und Beamten besteht. Für den Rest ist die GKV zuständig.
Für die Zukunft sind drei Modelle denkbar. Erstens: Es bleibt im Wesentlichen alles so, wie es ist. Das wollen die meisten privaten Krankenversicherer. Zweitens: Die Grundversorgung übernimmt für alle Bürger die GKV, die PKV spezialisiert sich auf Zusatzangebote. So ähnlich läuft es zum Teil im Ausland, auch die viel diskutierte "Bürgerversicherung" geht in diese Richtung. Vor dieser Variante hat die Branche aber Angst: Das reine Zusatzgeschäft wäre eine noch kleinere Marktnische als bisher. Variante drei sähe aus wie Variante zwei, mit einem wichtigen Unterschied: Die Grenze zwischen GKV und PKV fällt weg, beide dürfen alles anbieten. Im Endeffekt laufen die Vorstellungen einiger privater Versicherer wie der Allianz
, die sich den Unmut der Branchenmehrheit zugezogen haben, auf Variante drei hinaus.
Rein ordnungspolitisch betrachtet, hat Variante drei durchaus ihren Charme. Sie würde einen echten Wettbewerb zwischen GKV und PKV schaffen. Bisher beschränkt sich die Konkurrenz der beiden Systeme ja auf die schmale Schicht der "freiwillig Versicherten", also der gut verdienenden Angestellten.


