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14.08.2008 
Maschmeyer

Eleganter Abgang

von Robert Landgraf

Wir wollen uns mit den besten Köpfen über die Zukunft von AWD, Europas Nr. 1 der unabhängigen Finanzdienstleister, unterhalten", wirbt AWD-Gründer Carsten Maschmeyer voller Selbstvertrauen in einer sehr persönlichen Kampagne um die Branchenprofis der Finanzberaterszene. Doch das reicht ihm nicht mehr: Inzwischen spricht der Langstreckenläufer davon, den größten Finanzvertrieb der Welt zu schaffen und den Konkurrenten MLP zu übernehmen.

Doch will er das wirklich? Der AWD-Chef wollte es. Nachdem Maschmeyer bei MLP auf Granit gestoßen ist, versucht er gerade in bester Verkäufermanier einen eleganten Abgang.

Um Maschmeyers Vorstoß zu verstehen, ist ein Blick in seine Seele nötig. Sie leidet immer noch unter der Zeit in den Siebzigern, als die despektierlich Strukkis genannten Finanzmakler als die Schmuddelkinder der Finanzbranche galten und vor allem zwei Dinge im Kopf hatten: sich selbst - und möglichst viel Geld zu verdienen. Frei nach dem Motto: Verkauft wird, was Provision bringt. Äußerlich prägten Goldkettchen, bunte Krawatten, braune Haut und protzige Uhren das Bild der Finanzverkäufer. Doch das ist Vergangenheit. Heute giert die Branche nach Anerkennung und kann gar nicht genug davon bekommen. Von den alten Zeiten will sie nichts mehr wissen - das gilt auch für Maschmeyer.

Der ehemalige Medizinstudent hat ohne Zweifel etwas geschaffen, was nur wenige fertigbringen. Er zog ein Unternehmen fast von null zu einem Konzern mit zwei Millionen Kunden hoch. Unter seiner Führung schwang sich AWD zur Nummer zwei unter den Finanzmaklern auf, die vor allem Versicherungen und Fonds an den Mann/die Frau bringen. Der Vorstandschef brachte die Gesellschaft an die Börse, und er verkaufte seine Anteile an den Versicherungskonzern Swiss Life. Mehr als genug Gründe, um stolz auf sich zu sein. Doch Maschmeyer reicht das nicht: So lud er Mitte des Jahres (auf eigene Kosten) zu einer Geburtstagsfeier der Superlative mit 10 000 Gästen ein, inklusive der Ex-Politiker Nelson Mandela und Gerhard Schröder. Gefeiert wurden das zwanzigste Firmenjubiläum und das eigene Ego.

Die nächste Mega-Fete wäre nach der Erfüllung seines Traums einer Übernahme von MLP gestiegen. Maschmeyer machte den Plan zur Chefsache, doch er verrechnete sich. Anders als in vielen Fällen bei der jüngsten Rekrutierungskampagne nutzte Großaktionär Manfred Lautenschläger weder die Internetadresse noch Post, E-Mail oder Telefon, um mit Maschmeyer Kontakt zu halten. Pech. Denn ohne den MLP-Mitgründer geht nichts. Er ist die Integrationsfigur, der die vielen unabhängigen Berater bei der Stange hält. Dem sie glauben und vertrauen. Und sie, nur sie, sind das Kapital der Finanzmakler. Das weiß keiner besser als Maschmeyer selbst. Deswegen zog er die Reißleine und verkaufte seine restlichen AWD-Anteile und das MLP-Aktienpaket an Swiss Life.

Das bringt die Schweizer bei MLP nicht viel weiter. Zwar haben sie jetzt ihren Fuß in der Tür. Das war?s aber auch. Und bei AWD leben sich Swiss Life und der AWD-Chef gerade auseinander. Deshalb wird ihm mit Manfred Behrens ein Swiss-Life-Mann zur Seite gestellt. Maschmeyers Ego hält das sicher nicht lange aus.

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