Es war keine leichte Entscheidung für das Gericht im ersten Siemens
-Schmiergeldprozess. Mit einem harten Urteil hätte die Justiz das klare Signal in die Lande senden können: Korruption lohnt sich nicht. Andererseits hatte der Angeklagte Reinhard Siekaczek in einem Umfang mit der Staatsanwaltschaft kooperiert, wie man ihn bei Korruptionsthemen nur selten sieht. Nur dank seiner Mithilfe wurde die Korruptionsaffäre umfassend aufgeklärt.
Insofern hätte ein hartes Urteil auch ein zweites Signal bedeutet: Wer auspackt, wird dafür nicht belohnt. Am Ende hat sich das Gericht daher für Milde entschieden: Siekaczek kommt gerade noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon. Hinzu kommt eine deftige Geldstrafe - und der Ruf ist auch ruiniert.
Der Prozess hat erschütternde Einblicke in das Innerste des Siemens
-Konzerns geliefert. Viele haben mitgemacht bei dem schmutzigen Spiel, viele haben zugeschaut. Ihnen allen wird es dank Siekaczeks Mithilfe in den kommenden Monaten und Jahren an den Kragen gehen. Nicht alle werden so billig davon kommen wie Reinhard Siekaczek. Die Staatsanwaltschaft hat den Ehrgeiz, sich in der Hierarchie ganz nach oben zu arbeiten. Auch ehemalige Top-Führungskräfte müssen noch zittern.


